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Kotte & Kroggel singen Gundermann live in der Energiefabrik Knappenrode am 20. August 2011
Bericht: Gundolf Zimmermann Fotos: Gundolf Zimmermann
Doch unter all den namenlosen Bergleuten war einer, dem war es nicht genug durch seine Arbeit nur unsere Hintern zu erwärmen. Wenn er von seinem Bagger stieg, um seine Lieder zu singen, wärmte er auch unsere Herzen. Eigentlich stammte der Mann aus Weimar und er kam erst als 12-jähriger Knabe nach Hoyerswerda. Aber er war tief in sich drinnen mehr Lausitzer als manch anderer. Seine Lieder von Männern, Frauen und Maschinen, von Samurais und Drachentötern, vom Leben, Träumen und Sterben trafen und treffen die Seelen unzähliger Menschen. Sie sind uns im Laufe der Jahre zu Heimatliedern geworden. Diese Songs werden im ganzen Land gehört und gesungen. Obwohl der Mann leider am 21. Juni 1998 verstarb, ist er immer noch unter uns und gibt uns mit seinen Geschichten und Liedern Herzenswärme. Die Braunkohle, die er baggerte, ist schon lange verraucht, aber seine Songs bleiben ein Leben lang Brennstoff für unsere Seelen. Gerhard Gundermann sprach aus, was wir fühlten, aber nicht formulieren konnten. Manchmal sang er kämpferisch, manchmal auch hilflos. Er war nach dem Umbruch vieler Illusionen beraubt, wie du und ich, aber er schwieg nicht. Für die Erinnerung an Gundi braucht es kein Denkmal, obwohl er ganz sicher eines verdient hätte. Seine Denkmäler sind höchstlebendig und heißen beispielsweise "Frühstück für immer", "Hoywoy" oder "Gras".
Die roten Backstein-Bauten der Energiefabrik waren schon vom Eingang des Geländes aus imposant anzusehen. Doch die Stille, die dort herrschte, kam mir irgendwie widersinnig vor. Da standen Lokomotiven, Tagebaugerät, Planierraupen und alles mögliche Zeug auf dem Areal und kein Laut war zu hören. Alles kam mir zunächst tot, wie auf einem Friedhof, vor. Ich war heilfroh, dass ich an der Kasse lebende Menschen vorfand und ich zahlte den Eintrittspreis vielleicht auch deshalb mit einem Lächeln. Das Konzert selbst fand im alten Motorenlager der Fabrik statt. Das war eine schmucklose Halle, wo es förmlich nach Arbeit roch. Die Bühne und die Stühle für die Konzertbesucher wirkten wie Fremdkörper. Zögerlich, sogar sehr zögerlich kamen die Leute nach und nach herein. Doch am Ende waren es doch immerhin rund 50 Menschen, die sich hier versammelt hatten. Endlich nahmen die Musiker auf der Bühne Platz und die Sonderschicht in Sachen Gundi nahm ihren Lauf. Kotte & Koggel hieß das Duo und Kenner der Materie werden die Protagonisten vielleicht kennen, für die Unkundigen werde ich versuchen etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Detlef Kotte ist von Hause aus eigentlich Leiter und Bassist der legendären Band Platvorm. Er spielte aber auch in der Begleitband von Gundi's Wegbegleiter Bernd Nitzsche. Gemeinsam pflegten sie das musikalische Erbe von Gerhard Gundermann. Nach Nitzsches viel zu frühen Tod machen sie unter dem Namen SOLL SEIN mit neuem Sänger weiter. In der Band spielen Platvorm-Chef Detlef Kotte, sein Sohn Martin, Björn Kerstan und Tobias Kroggel. Der Letztgenannte saß an diesem Abend mit Detlef auf der Bühne des Motorenlagers. Ich hatte schon länger auf die Gelegenheit gewartet, SOLL SEIN mal live zu erleben. Nach diesem Auftritt des Duos Kotte & Kroggel am vergangenen Sonnabend in Knappenrode wird mein Wunsch eher noch bestärkt.
Zu meiner Überraschung spielten sie aber auch seltener gehörte Stücke wie "Pferd aus Holz" und "Morgen morgen". Das fand ich dann schon wieder sehr beeindruckend. Der junge Tobias Kroggel hat die Lieder auch sehr schön anmoderiert. Er nahm manchmal direkten Bezug zu Gundis berühmten Zwischentexten und entwickelte daraus auch weitergehende eigene Gedanken. Das war kurzweilig und spannend. Ich habe selten so ein intensiv lauschendes Publikum erlebt. Es gab so gut wie keine störenden Nebengeräusche. Ingesamt war es ein schöner Liederabend mit "Herzblatt", "Alle oder keiner" und "Ruhetag". Besonders angesprochen haben mich diesmal "Krieg" und "Brunhilde". Aber auch "Kämpfen wie Männer", "Schwarze Galeere" sowie "...und musst du weinen" erfreuten meine Ohren und meine Seele. Über den internationalen Teil schreibe ich nix. Ich konnte mich an diesem Tag nicht so recht dafür begeistern. Beim nächsten Stadtfest oder einem Kneipenfestival würde ich diese Mugge aber mal ganz gerne hören. Dass Detlef Kotte auch dieses Metier beherrscht, wissen wir ja von der Duo-Geschichte mit seinem Sohn Martin. Die allerletzte Zugabe des Abends schlug noch einmal den Bogen zu Gundi und ich war sehr froh, dass uns Kotte und Kroggel mit diesen, unseren Heimatklängen in die Nacht schickten.
Fotoimpressionen:
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