Es nieselte sich ein in Wernigerode, als wir am frühen Nachmittag in Richtung Köthen aufbrachen. Trotz Versprechungen des Internet-Wetterdienstes, dass es im östlichen Sachsen-Anhalt regenfrei sein soll, schickte uns Petrus permanent Nässe. Also fiel unsere Stadterkundungstour aus. Auch bei der Suche nach einem Café oder Restaurant hatten wir kein Glück, alle waren geschlossen. Erst am Park vor dem Schloss, wo sich ein paar Köthener zum Rummel eingefunden hatten, fanden wir auch ein Café, in dem wir uns trocknen und aufwärmen konnten.
KuKaKö stand über dem Schlossportal in großen Lettern. Die Mitglieder der Köthener Karnevalsgesellschaft, die überall in ihrem blau-weißen Outfit als Organisatoren anzutreffen waren, luden zum 18. Köthener Kuhfest ein. Drei Tage lang Showprogramm, Spaß und Kultur, und der Höhepunkt war natürlich Karat. Wir hörten, wie unser Lieblings-Schlagzeuger Micha sich eintrommelte und eilten durch das Schlossportal in den Hof des ziemlich sanierungsbedürftigen, aber früher sicher einmal schönen Schlosses. Johann Sebastian Bach hat in Köthen als Hofkomponist seine sechs Brandenburgischen Konzerte und den ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers geschrieben. Im Schloss gibt es eine ausführliche Ausstellung dazu.
 |
Aber wir und einige andere Fans wollten unseren Hochkarätern beim Soundcheck zuschauen, und das wurde auch geduldet. Am Ende hat uns Claudius sogar per Handschlag begrüßt. Nach einer Weile sah es so aus, als ob der Himmel kein Wasser zum Ausschütten mehr hatte, aber dann mussten wir doch wieder die Schirme öffnen und Kapuzen aufsetzen.
Als um 21:00 Uhr dann endlich Karat auf die Bühne kam, regnete es richtig. Aber mittlerweile hatte sich der sehr gut gefüllte Schlosshof bei Disco-Klängen in Stimmung gebracht. Und der Regen schien überhaupt gar keinen zu stören. Deshalb schmunzelten wir bei den Zeilen aus „Jede Stunde“ - „Wenn ich frier’ und wenn ich nass bin, genieß’ ich das Im-Regen-Stehn“.
Die Band hat einen Teil ihrer Lieder von der neuen CD „Weitergehn“ in ihr Programm eingestreut, so dass das Konzert ein Mix aus langjährigen Hits und neuen Klängen wurde. Die neuen Lieder wurden bejubelt, und die Karäter freuten sich. Zur „Kleinen Nachtmusik“ erzählte Claudius die Story, wie es zu dem Lied gekommen war. Die Band hatte so genannte Mondscheinkinder kennen gelernt. Das sind solche, die das UV-Licht nicht vertragen, stets in verdunkelten Räumen leben müssen und nie im Tageslicht draußen spielen dürfen. Die Karäter hatten zugesehen, wie sie Mitternacht auf den Spielplatz stürmten und sich dort austobten. Das hatte sie berührt und nachdenklich gemacht. So entstehen Lieder. Dieses war zwar vorher auch schon einer meiner Favoriten, aber mit diesem Hintergrundwissen ist es noch einmal ein Stück gewachsen. Als Claudius das Lied „Mich zwingt keiner auf die Knie“ ankündigte, das auch Credo seines Vaters war, schien uns in seinen Augen etwas Wässriges zu glitzern. Und Bernd verschwand mal kurz nach hinten... Schön, dass die Band ihren Herbert bei den Konzerten auf diese Weise immer dabei sein lässt.
Der Regen hörte dann doch endlich auf. Jana hatte für den Fall, dass es nass bleibt, extra noch kurz vor Konzertbeginn ein Zelt organisiert, damit die Jungs im Trocknen ihre Autogramme geben können. Dafür ließen sie sich auch viel Zeit, während im Schlosshof die Party in bester Feierlaune weiter ging.