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Udo Jürgens & das Orchester Pepe Lienhard 01.02.2009 in Hamburgs Color Line Arena Bericht: Holger Stürenburg Fotos: PR
Anfang 2008 hatte der offenkundig ewigjunge Lebemann mit sowohl österreichischem, als auch schweizerischem Pass, das wahrhaftig nur als grandios zu bezeichnende Top-5-Album "Einfach ich" veröffentlicht: Eine musikalisch, wie inhaltlich, schier genialische, 15teilige Songkollektion, die unzweifelhaft zu den atmosphärischsten, authentischsten Produktionen zählt, die Udo jemals aufgenommen hat, und in die sich der Verfasser dieser Zeilen sogleich nach dem ersten Anhören geradezu "verliebt" hat. "Einfach ich" bildet somit auch das Motto von Udos diesjähriger Tournee, die im Frühjahr diesen Jahres 32 Termine vorsieht und im Herbst 2009 mit 28 weiteren Auftritten fortgesetzt wird. Knapp drei Stunden stand der - man mag es kaum glauben - knapp 75(!)jährige Entertainer auf der Bühne, begleitet, wie kontinuierlich seit 33 Jahren, vom legendären "Orchester Pepe Lienhard", und präsentierte eine mehr als nur ausgewogene, dramaturgisch perfekt zusammengestellte Mischung aus aktuellen Titeln, entnommen dem Meisterwerk "Einfach ich", weniger geläufigen Fan-Geheimtips, eigenen, ganz persönlichen Favoriten und Albumbeiträgen aus längst vergangenen Zeiten, sowie - selbstverständlich - den ganz, ganz großen Erfolgen und Dauerbrennern der 70er und 80er Jahre, die längst zum Allgemeingut deutschsprachiger Popkultur gezählt werden müssen. Kurz nach 19.00 Uhr, startete Udos "Einfach ich"-Show mittels eines von Pepe und Co. vorgetragenen, instrumentalen Medleys, bestehend aus z.B. "Ehrenwertes Haus", "Aber bitte mit Sahne", "Griechischer Wein", "Merci Cherie", "Ich weiß, was ich will" oder "Ich war noch niemals ins New York" - "Lebensbegleiter" unserer Kindheit und Jugend in den 70er und 80er Jahren, überwiegend Saxophon-orientiert, latent jazzig inszeniert - bis dann endlich der Großmeister ad Personam erschien und voller Inbrunst und Ehrlichkeit den Titelsong seiner aktuellen CD anstimmte: Eine philosophische, nachdenkliche, zugleich überaus eindringliche Ballade, in deren von Udos langjährigem Arbeitspartner Wolfgang Hofer verfassten Text sich letztlich jeder denkende Mensch Eins zu Eins wieder finden können sollte! Ungewohnt zeit(geist)kritisch und beißend ironisch formulierend, gibt sich unser nimmermüdes Kindheitsidol in der ersten Auskoppelung aus "Einfach ich", "Tanz auf dem Vulkan (Freut Euch des Lebens)". In dieser, den äußerst bissigen Text konterkarierend, luftig-lockeren Swingnummer mit Ohrwurmcharakter geht es um Klimawandel, Umweltzerstörung und ungezügelten Kapitalismus - allerdings niemals überzogen betroffen oder gar den Zeigefinger schwenkend. Überhaupt zeigt "Einfach ich" den politischsten, sarkastischsten Udo seit Jahren. Nur kurz nach eben erwähntem Titel, hörten wir eine aktuelle Fassung von "Fehlbilanz"; eine intensive, kritische Mid-Tempo-Kompositon, die der Meister bereits 1991 auf seiner damaligen LP "Geradeaus" erstmal aufgenommen hatte. Zudem intonierte er im zweiten Teil seiner Show den gewollt überkandidelten Big Band Jazz-Verschnitt "Völlig vernetzt", der sich inhaltlich, witzig und warnend gleichermaßen, mit der Radikaltechnisierung unseres alltäglichen Lebens auseinandersetzt. Weitere Beiträge aus Udos letztjährigem Meilenstein, die in seinem aktuellen Konzertrepertoire zum Einsatz kommen, sind z.B. die opulente, hochemotionale, nahezu luxuriös arrangierte Popballade "Stärker als wir", der nicht weniger, aber intimer, akustischer, nicht so monumental, vielmehr auf Pianobasis verkleidete Schleicher "Nur ein Liebeslied" oder die Country-lastige, lyrisch so abgeklärte, wie melancholische Nummer "Letzte Ausfahrt Richtung Liebe", über die Udo erzählte, dazu hätten ihn die sog. "Road Movies" US-Amerikanischer Herkunft inspiriert. Zusätzlich kamen in Part-01 des rund dreistündigen Konzerts der phänomenale 1986er-Hymnus "Narrenschiff", das gänsehauterzeugende 1983er-Antikriegs-Klangdrama "Die Schwalben fliegen hoch" oder eine textlich brillante Neuauslegung der augenzwinkernden 1980er-Überlebenshilfe "Alles im Griff (auf dem sinkenden Schiff)" zum Zuge, in dieser der klassisch liberale Vollblutmusiker eindeutig gegen Andrea Ypsilanti, Oskar Lafontaine und andere verblendete Linke Stellung bezog. Nach einer ca. 25-minütigen Pause, erklang die "Fanfare", mit der auch die CD "Einfach ich" beginnt, woraufhin Udo in die Tasten seines (diesmal schwarzen) Pianos haute und den wunderbar romantischen Swing/Jazz "Schenk mir noch eine Stunde" (1981) kraftvoll interpretierte, garniert mit einer fröhlichen Gesangsdarbietung von Fred Astaires Alltime-Evergreen "Singin' in the Rain" durch den sehr begabten, farbigen Chorsänger Billy Kudjoe und einer launemachenden Stepptanz-Einlage von ebenjenem und Udo persönlich. Seit Jahrzehnten nicht mehr in einem Udo-Liverepertoire zum Zuge gekommen: "Nur ein Lächeln", eine ungemein aufbauende, mutmachende Ballade aus dem Jahr 1979; diesmal integrierend verbunden mit der Charlie-Chaplin(!)-Komposition "Smile" (aus dem Film "Moderne Zeiten", 1936), dargeboten von Soulröhre Stevie Woods, der Anfang der 80er Jahre einige Erfolge mit knalligen Discotiteln (z.B. "Holiday") hatte feiern können und später beim Andrew-Lloyd-Webber-Musical "Starlight Express" aktiv war. Der Titelsong von Udos 2005er-Hitscheibe "Jetzt oder nie" - eine knackige Boogie-Woogie/Pop/Rock-Melange - und ein moralisch absolut gerechtfertigtes Medley aus "Was ist das für ein Land?" (2000) und "Ich bin dafür" (1982) - ein dringlicher, betörend ehrlicher Appell gegen sinnlose Gewalt, Kriminalität, für Menschlichkeit, Toleranz und Vernunft - leiteten über in den "Best-of"-Teil der "Einfach ich"-Show. Dieser begann - wie kann es anders sein? - mit DEM Partyklassiker schlechthin: Das Publikum erhob sich von den Sitzen, Feuerzeuge und Wunderkerzen glühten auf... und dann hieß es: "Ich war noch niemals in New York" - zwar niemals eine reale Single, aber gerade bei den jüngeren Udo-Fans DER Kulthit schlechthin. Udos phantastische - durchwegs farbige - ChorsängerInnen trugen im Rahmen dieses Ewigkeitsreißers tolle New-York-bezogene Welthits der Sorte "How about you" (Dean Martin), "Downtown" (Petuela Clark), "Autumn in New York" (Frank Sinatra) und - selbstverständlich - Frankie-Boys Liebeserklärung an N.Y. City, "New York, New York" vor. Nach "Deinetwegen", einer so abstrakten, wie liebenswerten Ballade - titelgebender Song des hervorragenden, gleichnamigen 1986er-Albums von Udo - entbrannte das "Hit-Feuerwerk" schlechthin: "Ehrenwertes Haus", "Aber bitte mit Sahne", "Griechischer Wein", "Mit 66 Jahren" - die Wegbegleiter unserer Jugend erklangen frisch, mitreißend, drall… Ich denke, nicht wenige der Zuhörer in der Hamburger Color Line Arena schwelgten gerade während dieses Medleys in Erinnerungen an diejenigen Tage, in denen alles noch anders und - wie ich zuletzt so oft betonte - alles noch viel, viel besser war! Mit der eindringlichen 1999er-Elegie "Ich laß Euch alles da", beendete Udo Jürgens seinen phänomenalen Auftritt, um kurz darauf - alleine dies besitzt längst Legendenstatus - im weißen Bademantel erneut die Bühne zu betreten und noch ein paar Schmankerl, solo am Piano, aufzuführen. Udo Jürgens 2009 ist der beste, jüngste, überzeugendste Udo Jürgens seit soundsovielen Jahren. 75 Jahre alt wird er im September… ich kann diese unverbrüchliche Tatsache kaum nachvollziehen… er singt, tanzt, geriert sich so jung wie nie. Er ist und bleibt einer der größten, bedeutsamsten, vielseitigsten Entertainer des deutschen Sprachraums. Er dürfte, ähnlich wie Johannes Heesters, mit einiger Wahrscheinlichkeit noch im "Alter" von 105 auf der Bühne stehen - mit dem Unterschied, daß er sicherlich niemals die krude These aufstellen wird, Adolf sei "eigentlich ein ganz guter Kerl" gewesen! Lieber Udo - wir freuen uns (gerade mal knapp 24 Stunden nach Deiner letzten Aufwartung hier in Hamburg) bereits jetzt auf Deinen Auftritt am 20.11.2009, wiederum in der "Color Line Arena" in Hamburg-Stellingen. Wie nannte sich Deine 1999er-CD noch? "Ich werde da sein". Ja, auch wir werden am 20. November garantiert wieder da sein! |