Bericht:
Dietmar Meixner

Fotos:
Pressefoto (oben)
Dietmar Meixner (Live-Impressionen)






Ich muss ganz ehrlich zugeben: Seit ich wußte, daß ich Heinz Rudolf Kunze im Konzert erleben würde, war ich aufgeregt und voller Spannung. Kunze war seit den 80ern irgendwie immer in meinem gedanklichen musikalischen Archiv präsent. Leider war es mir nie vergönnt, ihn live zu erleben. Seine kämpferischen, polemischen und immer sozialkritischen Texte und dazu seine wunderbaren sentimentalen Songs - auf all das freute ich mich sehr.

30 Jahre treibt er sich nun schon mit seiner auffallenden Hornbrille auf deutschen Bühnen herum und begeistert sein Publikum. Er, der Poet unter den deutschen Rockmusikern, hat Musikgeschichte geschrieben und schafft es auch heute noch, dass viele, ja sogar sehr viele Fans seine Auftritte besuchen.

Geplant war das Konzert in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg, da der Vorverkauf aber extrem gut lief, entschloss man sich, kurzerhand in das ASTRA Kulturhaus in Friedrichshain auszuweichen. ASTRA Kulturhaus?? Hatte ich zuvor noch nie gehört. Es liegt ganz in der Nähe des S-Bahnhofes Warschauer Straße oder auch an der bekannten Oberbaumbrücke auf altem Reichsbahngelände, wo sich Klub an Klub reiht. Somit war es nicht nur für mich schwer, das Kulturhaus zu finden. Der unscheinbar angebrachte, auf weißem Stoff geschriebene Name des Hauses tat sein übriges, es mir und den anderen 2500 Fans so schwer wie möglich zu machen.

Erst in seinem Inneren offenbarte der äußerlich eher schmucklose Steinbau seine Geheimnisse: Ein toller Vorraum, eine tolle Bar und ein geräumiger Konzertsaal mit großer Bühne. Wenn man nicht auf die etwas schiefen Fliesen des Fußbodens achtete (Mann Dietmar! Wieder mal mit Winkeleisen unterwegs gewesen? Und da sagt man uns nach, WIR seien pedantisch... Anm. kf), war es fast ein Konzertpalast! Nicht zuletzt durch die Lampen an der Decke, die einst den Palast der Republik in Berlin zierten.

Leider war es mir nicht möglich, mich ganz nach vorn zu bewegen, da auf Grund der besonderen Einlassbedingungen der normale Konzertbesucher im Vorteil war. Als ich endlich meine Karte hatte, war der Saal schon so gut wie gefüllt. Übrigens weilte Bundespräsident Christian Wulff mit seiner Ehefrau mitten unter den Fans im vorderen Drittel. Einfach so, wenn auch natürlich umgeben von ein paar Sicherheitsleuten... Aber ich fand das toll, obwohl dieser Umstand mein Vorhaben, nach vorn zu gelangen, endgültig unmöglich machte.

Klar war, dass die Tour 2011 mit dem Namen "Gunst der Stunde" viel Neues und bisher Unbekanntes bieten würde. Trotzdem eroberten Heinz Rudolf Kunze & Verstärkung die Herzen aller Fans im Saal sofort, als sie Punkt 21.00 Uhr die Bühne betraten und mit "Ich glaub' du liebst mich", einem brandneuen Song vom aktuellen Album, den Abend eröffneten. Es folgte "Längere Tage", einer meiner Lieblingssongs von ihm, bewegend angesagt mit den Worten: "Der stille Gast, der einen begleitet von der Geburt bis zu dem Tag, wenn man von der Welt geht - er ist überall dabei und gegenwärtig." Sehr umfangreich und blumig kündigte er auch den Song "Susanne es ist aus" an: "Es geht hier eigentlich nicht um Susanne, aber ich hätte da alle Frauennamen nehmen müssen, deshalb stellvertretend nur einer. Der von Susanne."

Kunze ging im Laufe des Abends auf sehr viele Themen ein. So spielte die aktuelle Problematik in Japan ebenso eine Rolle, wie die Anti-Atombewegung. Auch Hitler bekam sein Fett weg, ist er doch verantwortlich dafür, daß Heinz Rudolf elf Jahre zu spät auf die Welt kam, da sein Vater so lange in Kriegsgefangenschaft war. Als Kind fand er das irgendwie doof, aber jetzt freut er sich darüber, da er dadurch ja jünger ist... Den Krieg und den Holocaust verurteilt er natürlich dennoch scharf. In dieser Phase des Konzerts kamen Songs wie "Lass den Kopf nicht hängen", "Es wird eng in der Hütte", "Unbeliebt" ("Unbeliebt" als Aufdruck war übrigens der Renner bei den aktuellen T-Shirts) und das sehr rockige "Verraten und verkauft". Die Texte seiner Songs sind alle mit einer besonderen Aussage versehen, die er seinen Fans ausdrucksstark und gut verständlich überbrachte.

Wenn bei Heinz Rudolf Kunze, der ständig zwischen Gitarre und Flügel wechselte, überhaupt eine Kritik angebracht war, dann sein ständiger Blick geradeaus. Ab und zu gingen seine Augen zwar schon mal ein klein wenig nach rechts oder links, aber der Kopf zeigte immer geradeaus. Ich fand das nicht so gut, da ich zuerst halbrechts von der Bühne stand, die Kamera ständig im Anschlag hatte, aber nie seinen Blick einfangen konnte. Deshalb wechselte ich dann nach ganz hinten und hatte so die Chance, mit ein paar "Dehnübungen" auch ein paar Frontalfotos von ihm zu machen. Seine musikalischen Begleiter Jörg Sander (Gitarre), Jens Carstens (Schlagzeug), Matthias Ulmer (Keyboards), Zoran Grujovski (Gitarre) und Leo Schmidhals (Bass) waren da nicht so geizig und ständig in Bewegung. Die Jungs verstehen ihr Handwerk perfekt und hatten entscheidenden Anteil an diesem geilen Konzert. Man sehe mir übrigens bitte nach, dass es mir der Mann an der Melodiegitarre fotografisch besonders angetan hatte. Aber ich glaube, das liegt in meinen Wurzeln der Rockmusik (Cäsar Peter Gläser) begründet.

Im letzten Teil des Konzerts kam u.a. das gerade erst kurzerhand aus dem Boden gestampfte "Wir sind keine Insel" zum Einsatz, ein Lied für die Anti-Atombewegung. Insgesamt stand Heinz Rudolf Kunze mit seinen Mannen zwei Stunden bei tollem Sound und gut abgestimmten Licht auf der Bühne, bevor sich der reguläre Teil seinem Ende zuneigte.

Ich hatte mich bereits in den Vorraum begeben, um das Treiben am Rande etwas beobachten zu können, und sah unter den etwa 50 Leuten, die dort weilten, auch bekannte Gesichter, z.B. Dirk Michaelis. Der Raum leerte sich allerdings schlagartig, als die Zugaben begannen. Auf "Dein ist mein ganzes Herz" hatte man hier wohl sehnsüchtig gewartet... Es folgten "Mit Leib und Seele", "Finden sie Mabel" sowie weitere seiner früheren Songs und im Saal war Partystimmung! Verabschiedet haben sich Kunze & Verstärkung schließlich mit einer deutschen Version des Kinks-Klassikers "Lola", womit ein wunderbarer, stimmungsvoller Konzertabend viel zu schnell ausklang. Aber es gibt ja 2011 zum Glück noch genug Gelegenheit, HRK live zu erleben.

Ach so, das Kulturhaus ASTRA als Konzerthaus sei abschließend ein Tipp für alle Berliner Rockfans. Schaut mal in die Programme, was da so geboten wird!





Fotoimpressionen:



Vor der Tür...





Am Merchandise-Stand...





Im Konzertsaal...