Bericht: Rüdiger Lübeck
Fotos: Rüdiger Lübeck






Deutsche Stimmen tun sich seit jeher von Hause aus schwer mit authentischer Interpretation funkiger Popmusik. Das ist zum einen vermutlich schlicht biologischer Ursache: das Stimmvolumen des gemeinen Mitteleuropäers gibt da einfach nichts Verwertbares her. Zum anderen fehlt es vielfach wohl auch an dem, was beispielsweise einem afroamerikanischen Musiker gleich mit in die Wiege gelegt wird: Soul im Blut.

Aber keine Regel ohne Ausnahme. Eine solche ist ohne jeden Zweifel Tino Eisbrenner. Wer die Facetten seiner Stimmgewalt noch nicht kennt, möge sich nur dessen Interpretation des "Blues von der letzten Gelegenheit" beim unlängst auf DVD erschienenen Franz Bartzsch-Tribut-Konzert zu Gemüte führen - unglaublich, wie er dort geradezu brilliert.

Das aktuelle Projekt Eisbrenners nennt sich schlicht "Hausboot" und ist genaugenommen ein Duett mit dem Gitarristen Heiner Lürig, vielen sicher auch als Komponist ungezählter Werke von Heinz-Rudolf Kunze ein Begriff. Man tat sich also zusammen und erweiterte den ohnehin bereits jeweils reichhaltig vorhandenen musikalischen Fundus um eine weitere Platte ("Strom ab", Rezension HIER).

Die dazugehörige Live-Tour machte nun Station im altehrwürdigen Berliner Frannz-Club. Mit dabei eine Band, die der Qualität des kongenialen Front-Duos in nichts nachsteht: Marius Lürig am Schlagzeug, Christian Decker am Bass, Alejandro Soto Lacoste an Akkordeon und Piano sowie Martin Huch an Pedal Steel, Dobro und Gitarre. Gerade letzterer vermochte es übrigens vortrefflich, viele der Songs mit Country-Nuancen zu untersetzen, was die Darbietung insgesamt in eine Richtung tendieren ließ, die eben gerade keine eindeutige Zuordnung in die ungeliebten Schubladen der einzelnen Genres erlaubt.

Und das gilt es durchaus positiv zu verstehen. Zumal zum Portfolio der ausgewählten Songs neben dem kompletten Material von "Strom ab" auch die Eisbrenner-Titel "Schnee soll fallen", "Fuß ohne Schuh", "Wir folgen dem Wind", dessen Tom-Waits-Cover "Grapefruit Moon" und "I'm on Fire" (Bruce Springsteen) sowie die Kunze-Nummern "Leg nicht auf", "Aller Herren Länder" und - natürlich als Zugabe - "Finden Sie Mabel" zählten. Da kann eigentlich nichts schief gehen - sollte man meinen, und letztlich auch Recht behalten. Und auch, wenn das begeisterte Publikum an diesem Abend zu wohl nicht unerheblichen Teilen aus dem Freundeskreis der Band rekrutiert wurde, ist zu resümieren, dass das "Hausboot" live vor allem eins macht: nämlich ungemeinen Spass!

Jeder der sechs Musizi hat unbestritten seinen Anteil hieran. Tino Eisbrenner möchte ich dennoch erneut hervorheben. Er versteht es wie nur wenige, Charme und Charisma, Mimik und Gestik als Mittel zum Zweck - will heißen: Kommunikation mit dem Publikum - einzusetzen. Und da wird aus einer jedem Konzert zwangsläufig zu Beginn anhaftenden Distanz zwischen Bühne und Auditorium sehr schnell eine Nähe, die fließend in eine Verbindung übergeht. Ein Frontmann, der diese Funktion vollends ausfüllt, ein Frontmann, wie ihn sich wohl auch manch andere Band wünschen würde.




Fotoimpressionen: