Haase in der Kiste am 31.01.2009 in Berlin


Bericht: Petra Heinzel
Fotos: Petra Heinzel





Bereits seit einiger Zeit beobachte ich diesen Musiker. Egal ob solo, als Duo oder mit Band, ich mag ihn. Das liegt nicht daran, dass ich Hasen bzw. Kaninchen sehr gerne habe... besonders die kleinen weißen mit blauen Augen... aber Hasen und DER Haase stimmen nicht überein! Er ist nicht klein und auch nicht weiß, hat aber blondes Haar und auf seine Augenfarbe werde ich beim nächsten Mal genauer achten. Ich mag seine Stimme, seine Melodien, seine Texte und auch seine spontanen Aktionen auf oder auch vor der Bühne. In der Columbiahalle habe ich ihn beim Gundermann Gedenk-Konzert mit Gundermanns Seilschaft erleben dürfen. Daher freute ich mich ganz besonders auf das bevorstehende Konzert in der Hellersdorfer "Kiste". Das Konzert wurde auch schwarz auf weiß in der Berliner Woche angekündigt "Haase in der Kiste". Über diesen Titel musste ich schon schmunzeln, und Haase selbst auch.
Da ich vorher noch mit einem anderen Bericht beschäftigt war, dachte ich, "Na, nun wird es aber knapp". Aber genau um 20:30 Uhr traf ich ein und dachte mir schon, dass die richtig guten Künstler ja meistens noch ein paar Minuten auf sich warten lassen, und so war es dann auch. Der Saal war voll und die letzten Zuschauer mussten dann schließlich das Konzert im Stehen verfolgen, was ich bei Haase eigentlich auch ganz angenehm finde. Ich konnte zwar noch einen einzelnen Platz finden, den ich aber im Verlauf des Abends nicht sonderlich viel genutzt habe.
Um 20:45 Uhr betraten der Liedermacher Christian Haase und seine Begleitung, Renè Schostak, im Begrüßungsapplaus die Bühne, schnappten sich ihre Gitarren und starteten mit ganz viel Wahrheit. Haase sang: "Ich bin noch keine 30 Jahre alt... ich hab` das Leben zum Fressen gern". Der Techniker musste noch eine kleine Veränderung vornehmen, so dass Haase geschickt die Zeit nutzte sich ein Glas Weißwein an der Bar zu besorgen, mit dem Hinweis: "Im Winter sollte es Rotwein sein, freut euch auf den Frühling, daher ist Weißweinzeit angesagt". Dann setzte sich Haase an sein Keyboard, getreu dem Motto auf seinem (und auch auf meinem) Shirt "nur Fledermäuse lassen sich hängen". Wir waren mitten im Konzert als "Mittendrin" erklang, wobei Renè nebenher einen Schellenkranz unter seinem rechten Fuß in Schwingungen versetzte. Zwischendurch erzählte Haase schöne Geschichten. So beispielsweise von seinem 5jährigen Musikschüler, der in seiner Erstlingsstunde sagte: "Die tiefe Saite der Gitarre klingt wie die Hölle und die hohe Saite klingt wie Frieden und... das dazwischen klingt wie das ganz normale Leben", und Haase bemerkte hierzu mit einem Augenzwinkern: "Da dachte ich mir: das könnte ein zweiter Haase werden".
Der Abend wurde sehr abwechslungsreich gestaltet, Haase wechselte zwischen Gitarre und Keyboard und Renè spielte Gitarre und nahm gelegentlich den Schellenkranz per Hand oder auch Fuß hinzu. Bevor "Du vom Dorf" erklang, setzte sich Haase wieder an das Keyboard und legte seinen linken Arm lässig auf dem Mikronfonständer entlang und begann einarmig zu spielen. "Nimmersatt", so auch der Titel seines aktuellen Albums, durfte natürlich nicht fehlen. Auch hier jubelte wieder einmal das Publikum. Konzertgänger fordern oft spezifische Geschichten zum entsprechenden Lied, für Haase überhaupt kein Problem: "Das nächste Lied entstand zu Hause gegen 23:00 Uhr, und mehr gibt's zu diesem Lied nicht zu erzählen": Eine direkte Antwort auf eine direkte Frage. Auch wenn diese Worte nicht sehr einfühlsam klingen, dafür "Lenchen" umso gefühlvoller. Meine Haut verwandelte sich schlagartig (bzw. tierisch) in Gänsehaut. Wunderschön wie Haase singt: "...wenn du nachts heimlich davon galoppierst vergiss nicht wohin du gehörst...". Hierbei zauberte Haase die passenden Klänge am Keyboard, und Renè mit seiner Gitarre. Erst "Baumhaus", ebenfalls ein Titel der neuen CD mit einer dazugehörigen Geschichte, holte mich wieder zurück. Plötzlich hatte Renè eine Flasche Eierlikör mit den entsprechenden Gläsern zur Hand, beide prosteten sich zu und schluckten tapfer das gelbe Getränk hinunter. Für "Kapitän" hatten beide Musiker wieder ihre Gitarre zur Hand, und Haase fragte in seinem Lied "Atlantik, Pazifik, welches Meer soll es sein?". Hierbei stampft er bestimmend mit seinen Füßen auf dem Bühnenfußboden und setzte die heimischen Sehnsüchte hinzu "zu Hause ist etwas das warm ist und lebt". An anderer Stelle heißt es "...ich hab ihn in der Kiste von Bord getragen". Das erinnerte mich an den Zeitungsartikel mit Ankündigung "Haase in der Kiste" und ich konnte mir ein wirklich leises Kichern nicht verkneifen, womit Haase wohl auch zu kämpfen hatte. Nach einer Stunde schickte uns Haase mit einem Lied aus fremder Feder in die Pause "...ein Glas auf uns und eins auf die See. Ein Glas auf euch und auf die Pause".
Gegen 22:00 Uhr ging es mit den "Bessren Zeiten" weiter. Später mimte Renè die zweite Stimme, und ich freute mich über den schwungvollen Song "Ganz egal". Renè hatte eine praktische Sitzgelegenheit, er saß auf einem Cajon (von ihm auch als Bananenkiste bezeichnet), saß natürlich nicht nur darauf, sondern verschönerte damit einige Titel. Auch seiner Gitarre entlockte er geschmackvolle Töne, manchmal dachte ich u. a. eine Mandoline zu hören. Er hatte seine Saiten voll im Griff. Haase hat sogar so manchen Oldie herausgekramt und gab dem Publikum freiwillig von seinem gelben alkoholischen Getränk ein Gläschen ab. Besonders hervorheben möchte ich noch die Titel "Wenn mein Haus und du" und "E.R.I.K.A.", was so viel bedeutet wie -Die erste richtig impulsante Kriegsarmee-. Hier heißt es "...in meinem Krieg gibt es keine Toten".
Dank der nicht aufhörenden Zugabenrufe bekam ich einen meiner spritzigen Lieblings-Live-Titel "Im Winter". Da hörte ich ein mir bisher unbekanntes Instrument auf der Bühne. Renè hatte plötzlich eine Kazoo. Nach dem Konzert ließ ich mich genauer aufklären: In eine Kazoo wird hinein gesungen und somit kann man den Ton verändern, ähnlich wie beim Kammblasen (habe ich früher auch gemacht). Mit "Weiße Wolke" sollten wir dem Ende entgegen schweben, ich liebe die Textstelle "lass dich treiben, aber nicht zu sehr". Klatschen, klatschen und nochmals klatschen, Haase musste noch einmal auf die Bühne und belohnte uns mit einem neuen Lied, ließ den Abend ausklingen mit "...eine Note noch von einem ganz großen Liebeslied wird nie verklingen auch wenn wir sterben".
Vielen Dank für diesen wunderbaren Abend, er war tierisch gut. Ja wirklich tierisch, um zu meinen eingangs erwähnten Worten zurück zu kommen. Ich hätte es weg lassen können, aber diese Gedanken schwirrten mir halt im Kopf herum. Ich hoffe Haase, du verstehst diesen Spaß, und ich freue mich auf's nächste Mal wenn du wieder die Bühne belebst und den halben Saal in Beschlag nimmst.




Foto Impressionen: