Haase solo in Dresden am 17. April 2010


Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann





Vier Tage war der Kundi krank, jetzt tourt er wieder – „Gott“ sei Dank ;-) Seit Dienstag hatte ich gelitten wie ein Hund. Eine Erkältungskrankheit hatte mich fest im Griff. Mit Unmengen von Tee und ein paar pflanzlichen Hilfsmitteln aus der Apotheke rettete ich mich über die Arbeitstage und abends sah man mich dann schniefend auf der heimischen Couch. Meine Liegstatt wird sich ganz schön gewundert haben, dass ich sie so ausdauernd belagerte. Meine Leidensgeschichte ging sogar soweit, dass ich am Freitag ein wirklich interessantes Konzert sausen lassen musste. Ich war einfach nicht in der Lage, mich auf der Autobahn und in einem Konzertsaal rumzutreiben. Wir Männer sind ja bekanntlich sehr wehleidig, wenn es uns mal mit solch einer saisonalen Erkrankung erwischt ;-)
Doch am Sonnabend schien ich über den Berg zu sein, und so stand einem Besuch von HAASE’s Solomugge nichts mehr im Wege. Lissi und ich waren wieder frühzeitig am Start, denn rechtzeitiges Erscheinen sichert bekanntlich gute Plätze. Es gab Zeiten, da zog ich alleine los zu HAASE–Konzerten. Ich kannte dort niemanden und keiner wollte mich begleiten. Als erstes hatte ich irgendwann mal Lissi zwangsverpflichtet, und von da an ging es steil bergauf. Bald kannte man uns aber bei HAASE. Zum einen liegt es daran, dass HAASE in Sachsen ein treues Stammpublikum hat, welches wir ziemlich schnell kennen gelernt haben. Nach ein paar Konzerten kannte man sich und bei vielen Gesprächen kam man sich auch menschlich näher. Zum anderen habe ich bzw. durch meine bzw. unsere Begeisterung doch einige Freunde auf die HAASE-Spur ansetzen können. Tina, Petra und Mary zum Beispiel sind zu unserer Freude auch richtige HAASE–Fans geworden. Das hat zur Folge, dass HAASE’s Muggen für uns jetzt auch so was wie „Klassentreffen“ des guten Musikgeschmack’s sind.

Der „Club Passage“ im Wohngebiet Dresden–Gorbitz ist eine bekannte Adresse (nicht nur) für HAASE–Fans. Der sympathische Liedermacher spielt mindestens zweimal im Jahr hier. Gestern war er mal wieder als Solist im Hause, im Herbst folgt dann das Bandkonzert an selber Stelle. Zur Überbrückung gibt es übrigens im August auch wieder einen Gundermann–Abend mit HAASE in der Zschoner Mühle. Wie zu erwarten war, platzte der Club gestern wieder mal aus allen Nähten, Christian HAASE kann sich auf seine Sachsen halt verlassen. Aber nicht nur Leute aus dem schönsten Freistaat der Welt wohnten der Mugge bei. Selbst aus Berlin und von der Ostseeküste reisten vereinzelte Unentwegte an. Es summte im Club wie in einem Bienenstock. Es war so ein bissel wie früher zu Weihnachten, alle warteten auf die Bescherung, die sich uns diesmal als Christian HAASE-Konzert darstellte.

Endlich betrat er die Bühne und nahm uns mit auf seiner Reise zur „Bank am Fluss“, in die „Kleine Stadt“, zu „Lenchen“ und zum „Mädchen mit Flügeln“. HAASE erzählte uns in seinen Liedern kleine Geschichten vom Sein, von den Menschen, von sich selbst oder - anders ausgedrückt - von Liebe, Tod und Teufel. Zwischen den Liedern gräbt er auch noch Anekdoten und allerlei Nachdenkenswertes aus und verarbeitet diese in seinen Ansagen. Manches davon ist witzig, urkomisch sogar. Anderes ist wieder etwas ernsthafter. Nachdenkenswert und unterhaltend ist aber alles, was HAASE vom Stapel lässt. Das Publikum hing an seinen Lippen und der Meister nahm sich auch selbst gehörig auf die Schippe. Ja, Christian HAASE ist fast ein Universalgenie. Er ist Liedermacher, Komödiant und manchmal auch Entertainer von der besten Sorte. Gebt dem Mann eine Gitarre, ein Klavier, ein oder zwei Gläser Wein und er entführt euch so aus dem Alltag.

Ich hab mich gestern bei einer seiner Geschichten bald verschluckt vor Lachen. Das war, wenn ich mich richtig erinnere, die Story von einem jungen, etwas skeptischen Mädchen, die ihn unlängst erlebte und die seine Musik etwas zu ruhig und brav fand. Jedenfalls wollte er die Dame zu seinem Bandkonzert am 8. Mai in Leipzig einladen. Doch leider ist sie an diesem Tag verhindert, wegen ihrer eigenen Jugendweihe. So kann’s gehen, lieber Christian ;-)
Gestern überraschte uns HAASE außer der Reihe mal wieder mit Liedern von Gundi. „So wird es Tag“ und „Der 7te Samurai“ umschmeichelten sicher nicht nur meine Seele und Ohren. Der Liedermacher Christian HAASE ist ein beobachtender und denkender Mitmensch, in ihm ist etwas von einem Weltverbesserer. Er singt über Natur und Umwelt, Frieden und Krieg, Liebe und Hass und von sich selbst oder von dir und mir. Nein, er ist trotzdem kein Oberlehrer und hebt auch nicht belehrend den Zeigefinger. Gestern hat er als Zugabe „Sag mir wo die Blumen sind“ gesungen, besser gesagt: wir haben alle gemeinsam gesungen. Es muss nicht immer ein lautes Geschrei und eine kämpferische Resolution sein. Dieses „Sag mir wo die Blumen sind“ war gestern praktisch unser Beitrag gegen den Krieg im Allgemeinen und gegen den Einsatz deutscher Soldaten im Afghanistan-Krieg im Besonderen. Das waren wirklich Gänsehautminuten als der ganze Saal nachdenklich, behutsam und leise diese bekannten Verse sang.

HAASE hat gestern einen Abend lang gezaubert, er hat Kraft und Optimismus in viele Herzen gezaubert und gleichzeitig hat er uns bestens unterhalten. Nach dem Konzert war an Heimfahrt noch lange nicht zu denken. Wir mussten das alles erstmal sacken lassen. Das gelang uns dann allmählich bei Gesprächen über und auch mit HAASE. Warum hört man seine Lieder eigentlich nicht im öffentlich-rechtlichen oder kommerziellen Rundfunk?? Bei dem Schrott, der da manchmal gesendet wird, wäre das mal ein echter Lichtblick. Als unverbesserlicher Optimist hoffe ich, dass sich da in Zukunft mal was zum Positiven ändert. Vielleicht sollten wir mal gemeinsam darüber nachdenken, wie wir solche hoffnungsvollen Künstler wie beispielsweise HAASE, Trixi G oder UNBEKANNT VERZOGEN ins Radio bekommen?




Fotoimpressionen: