Felix de Luxe live am
30. Januar 2009 in Hamburg



Bericht: Holger Stürenburg
Fotos: PR




Als sich 1983/84, sozusagen in direkter Nachfolge der viel zu früh (allerdings selbstverschuldet) verebbten Neuen Deutschen Welle, hierzulande das so spannende, wie vielschichtige Genre "Deutschpop" bildete, gründeten in des Verfassers dieser Zeilen Heimatstadt Hamburg Michy Reincke (voc, git), Franz Plasa (git), Jörn Brandenburg (key), Jürgen Attig (b) und Martin Langer (dr) die äußerst viel versprechende Band "FELIX DE LUXE" - gerne gleichfalls kurz "FdL" genannt.
Beeinflusst von Bob Dylan einerseits, andererseits von der seinerzeit auch international mächtig angesagten "New Romantic"-Bewegung (Ich weiß, lieber Michy, diese, meine Klassifizierung wirst Du niemals teilen! Der Verf. ;)), veröffentlichte das plietsche Quintett zwischen 1984 und 1987 drei profunde LPs: "Felix de Luxe" (1984) und "Die Tricks des Glücks" (1985) bei Polydor, sowie "Männer wie wir" (1987) bei WEA. Innerhalb kürzester Zeit, etablierten sich "Felix de Luxe" im norddeutschen Raum als reales Kultphänomen - ich will nicht wissen, auf wie viele Konzerte jener phänomenalen Deutschpop-Combo in Hamburg und Umland meine Frau Mama mich damals kutschiert hatte... Doch trotz immenser Protektion durch den NDR - hier sei vor allem die einstige Pflichtsendung für hanseatische 80er-Kinder, "NDR 2 - Der Club" besonders hervorzuheben -, wollte der endgültige, bzw. bundesweite Durchbruch dieser tollen Truppe einfach nicht gelingen (zumal auch die WEA sich nicht gerade in überwältigende Promotionaktivitäten betreffs "Männer wie wir" stürzte…).
1988/89 stand also das Ende von "Felix de Luxe" auf der Agenda. Die fünf Herren gerieten in Streit - und jeder ging von nun an eigene Wege. Franz Plasa erwuchs zu einem der gefragtesten Produzenten, erschuf mit "Selig" oder "Echt" in den 90ern einen Tophit nach dem anderen, Jürgen Attig machte als weltweit gebuchter Studiomusiker und Filmmusik-Komponist Karriere - ja, und Michy Reincke, studierter Germanist und Anglizist, startete eine grandiose Solokarriere mit neuer Begleitband, die mit so einschmeichelnden, wie eingängigen deutschgesungenen Ohrwürmern der Sorte "Valerie, Valerie" (1989), "Für immer blond" (1991) "Einmal den Zigeunern hinterher" (1992) oder "Hollywood brennt" (1993) seine Spuren bei Freunden intelligenter, muttersprachlich intonierter Popmusik (und auch und gerade im Leben des Rezensenten) hinterlassen hat. Obwohl Michy nach Auflösung von "Felix de Luxe" jahrelang betonte - mit Ausnahme des Überhits "Taxi nach Paris" - niemals mehr einen Titel aus ebenjener Phase ‚live' aufführen zu wollen, lockerte er im Laufe der Zeit dieses selbst auferlegte Dogma - und nach und nach fand der ein oder andere "FdL"-Titel Eingang in seine Solorepertoires.
Zeitsprung: Im Frühsommer 2006 rief der NDR seine Zuhörer/Zuschauer auf, die "50 Hits des Nordens" zu wählen... und siehe da… "Taxi nach Paris" entschied das Rennen für sich - woraufhin Michy, der im Rahmen seiner Konzerte immer wieder seine Titel lakonisch, ironisch kommentiert bzw. anmoderiert, verlauten ließ, er habe nach diesem so fulminanten, wie unerwarteten Sieg bei genannter Abstimmung viele Briefe erhalten, mit dem Tenor, der Schreiber habe zuvor zwar "Taxi nach Paris" nicht gekannt - aber wenigstens habe die Spitzenposition dessen die (scheußlichen der Verf.) zweitplazierten "Scorpions" auf dem ersten Rang verhindert...
Ja, 25 Jahre ist es nun her, daß "FdL" ihr Debütalbum, inkl. des sagenumwobenen "Taxis", veröffentlichten - und aus Anlaß diesen Jubiläums geschah nun das kaum Fassbare: Die fünf lieben "Streithähne" begruben ihre Auseinandersetzungen und gingen auf eine kleine, aber feine - womöglich historisch singulär bleibende - Reunion-Tour, die am vergangenen Freitag (30.01.2009) ihren Höhepunkt in der bis zum Bersten gefüllten "Markthalle", nahe des Hamburger Hauptbahnhofes, fand.
Überwiegend klassische 80er-Jahre-Kinder, die mit "FdL" groß geworden sind, aber gleichsam nicht wenige Nachgeborene, erfreuten sich knapp zwei Stunden lang an der ersten originären Livedarbeitung der wichtigsten Nummern einer Band seit 1988, die vor einem Vierteljahrhundert für uns Hanseaten einfach dazu gehörte. Von einer Ausnahme abgesehen - ich gehe gleich noch darauf ein - spielten Michy, Franz, Jörn, Martin und Jürgen ausschließlich Titel der drei genannten "FdL"-Alben aus ebenjener Dekade, in der alles noch ganz anders - und vor allem viel besser war. Allerdings hatten die Fünf Vollblutmusiker die meisten Beiträge für jenen umjubelten Konzertabend in nicht zu unterschätzender Manier umarrangiert, neu, frisch inszeniert, ohne ihnen jedoch den Charme, das Potential der Originale zu nehmen.
Programmatisch begann diese wahrhaftig als historisch einzustufende Show mit einer im Tempo angezogenen Ska-Version von "Ich hab noch lange nicht genug" (1984), woraufhin es sogleich "Hinein ins wilde, pralle Leben" (1987) ging. Darauf folgte eine latent rockige, ungewohnt druckvolle Fassung eines der romantischsten, gefühlvollsten Titel, die "FdL" jemals aufgenommen haben: "Nächte übers Eis" - eine knisternde, zugleich brodelnde Ballade, die sicherlich nicht wenigen Anwesenden in der "Markthalle" die eine oder andere Träne ins Auge gedrückt hat. In gitarrenbetonter "Dire Straits"-Manier, erklang die 1987er-Single "Blaue Wunder" - Bei der Aufführung der immens liebenswerten Ballade "Es kommt ein Tag" dürften auch so einigen Zuschauern in der bis zum letzten Platz ausverkauften "Markthalle" die Tränen gekommen sein - ein prägnanter Schleicher, der von einem Kind erzählt, einem kleinen Mädchen, das einst erwachsen wird und ebenjenen "Tag" nochmals erleben möchte, an dem es nichts anderes wiederum sein möchte, als ein kleines, unschuldiges Kind.
Irgendwo zwischen Folk, Reggae und Country angesiedelt, ertönte die 2009er-Auslegung von "Viel zu viel Zeit (& nichts zu tun)" (1984) - darüber hinaus vernahmen wir u.a. die klassischen Deutschpopper "Im Kopf brennt noch Licht", "Blonder Clown (Die Tricks des Glücks)" (beide 1985), bevor Jürgen Attig das vermutlich perfekteste Baß-Solo zelebrierte, das der Rezensent seit einem Konstantin-Wecker-Auftritt im März 1987 gehört hatte. Soli am Baß sind in konzertären Darbietungen nicht gerade an der Tagesordnung. Damals bei "Konny", legte Colin Hodgkinson ein phantastisches solches hin - 2009 holte Jürgen Attig aus seinem Instrument wirklich alles heraus, was nur herauszuholen war. Es war schier Klasse, was dieser hochtalentierte Profimusiker knapp zehn Minuten lang darbot.
Kurz zuvor kam ein Titel zum Einsatz, der jedoch nicht in die "FdL"-Ära fiel, da erst auf Michys Solodebüt "Paris" (1991) erstmals auf Tonträger veröffentlicht: "Wenn der Wind sich dreht" (garniert mit der so genialischen, wie diabolischen Textzeile "Kann passieren / daß Du in den Himmel kommst / mit einem Brotmesser im Rücken / Denn ein Traum verweht / Wenn der Wind sich dreht"!) ist und bleibt eine dralle, knackige Rocknummer, drastisch, ironisch, direkt und unverblümt!
Ja, und dann fuhr bald das legendäre "Taxi" vor. Jener Titel, der vielleicht dafür gesorgt hat, daß sich "FdL", trotz aller Streitigkeiten, zum 25. Jubiläum der Erstveröffentlichung dieses unverbrüchlichen Evergreens, nochmals für ein paar Konzerte versöhnt haben. Die surreale Geschichte von einer Traumfrau aus der französischen Hauptstadt und einem von derselben absolut hingerissenen Protagonisten wird mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu beitragen, daß "FdL" auch in 25 Jahren nicht vergessen sein werden!
"Zugabe - Zugabe - Zugabe!!!" hieß es nun in der völlig aus dem sprichwörtlichen "Häuschen" geratenen "Markthalle". Klar, daß "FdL" diesen lautstarken Lockrufen nicht widerstehen konnten und nochmals die Bühne betraten: "Eddie ist wieder da", zwar niemals Single-A-Seite, aber bis heute unschlagbarer Fan-Favorit, und die schlicht himmlische New-Jazz-Improvisation "Bye, Bye, Hollywood" beendeten einen Konzertabend, der zweifellos Musikgeschichte geschrieben hat.
Nun wollen sich "Felix de Luxe" wiederum trennen. Der Erfolg dieses 25jährigen Jubiläums sollte dennoch allen fünf Bandmitgliedern zu denken geben, ob es nicht eine durchaus interessante Sache wäre, "Felix de Luxe" weiterhin im Status der Reanimation zu erhalten. Ob es jemals wiederum weitere Konzerte der Hamburger Lokalmatadore in Originalbesetzung geben wird, steht in den Sternen. Aber, wie sang schon Michys großes Vorbild "His Bobness": "The Answer my Friend / is Blowing in the Wind"...

Bitte beachtet auch: www.felixdeluxe.de