Festival „Für Ehrlichkeit, Offenheit und
Toleranz“ am 29. Mai 2010 in Dresden

(mit Akim Jensch, AufSturz, Lautmaler, Tommy S., Stefan Lux Band, u.v.a.)


Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann





"Der Sonnabend fängt ja gut an", dachte ich mir als ich aufwachte und auf den Wecker sah. Es war bereits 11.00 Uhr! Verflixt gerade heute. Wir waren zwar erst in den Morgenstunden aus Bad Liebenwerda zurückgekommen, aber länger als bis 09.00 Uhr wollte ich eigentlich nicht schlafen. Ich musste mein persönliches Tagesprogramm jetzt ganz schön straffen. Aus diesem Grund fiel ein ausgiebiges Frühstück schon mal ins Wasser. Es war ja sowieso bald Mittag. Wenigstens der Kaffee war fertig, als ich aus dem Bad kam. Nebenbei schaufelte ich Fotos von der Kamera auf den Computer und die Akkus brauchten dringend eine Nachladung.

Mein Bienchen wartete auch schon im Zwinger ungeduldig auf Auslauf und Spielstunde. Andere Dinge mussten auch noch erledigt werden. Es blieb gerade noch Zeit, um mich etwas frisch zu machen. Um 15.00 Uhr stieg ich in meine Kalesche und auf ging es Richtung Dresden.

Ich kam noch rechtzeitig am Sportplatz Dresden–Strehlen an. Vertraute Fetzen Musik empfingen mich und als ich näher kam, sah ich die vier Experten der Liederrock-Brigade AufSturz fleißig beim Soundcheck wirken. Ich hatte also nichts verpasst und konnte erstmal ganz in Ruhe mit lieben Freunden wie zum Beispiel Akim und Tommy ein paar Begrüßungsworte wechseln. Es waren ja jede Menge liebe Menschen zu begrüßen, Musiker, Leute vom Verein sowie die üblichen Verdächtigen vom Puhdys-Forum. Mit Sunny aus Magdeburg hatte ich aber nicht gerechnet. Sie gehört schon lange zu den treuesten Fans von AufSturz und in der Magdeburger Gegend habe ich sie in der Vergangenheit mehrmals bei Konzerten getroffen. Natürlich war sie korrekt gekleidet. Nun waren wir schon zwei mit AufSturz-Shirt. Ich merke schon, dass ich wieder zu weit aushole, aber das ist ein altbekanntes Phänomen, wer wenig Zeit hat, schreibt automatisch mehr. Doch ich bemühe mich ja schon auf den berühmten Punkt zu kommen.


Tommy S. und Verstärkung...

Was uns alle auf den Sportplatz in Dresden-Strehlen lockte, war ein kleines Festival, welches unter dem Motto „Für Ehrlichkeit, Offenheit und Toleranz“ stand. Die Organisatoren wollten mit diesem Event ein Zeichen setzen für eine demokratische und tolerante Gesellschaft. Die Musik sollte die Menschen an diesem Tag dort zusammen führen und verbinden. Die Vereine „IDEE 01239 e.V.“ und „Querformat e.V.“, der Sportverein Eintracht und Köhlerliesl Gastwirtschaft stemmten dieses Projekt gemeinsam. Unterstützung gab es weiterhin von der Stadt Dresden und der Firma Bernd Jähn. Diese Veranstaltung war das Werk vieler Menschen, dennoch möchte ich zwei von ihnen besonders hervorheben, weil sie die Motoren der ganzen Sache waren. Es handelt sich dabei um meinen alten Kumpel Tommy S. und um Lutz Stein. Die beiden haben sich Tage und Nächte um die Ohren geschlagen für dieses Festival. Sie suchten sich Partner, Unterstützer natürlich die Künstler für diese Veranstaltung aus.

Die Sonne schien besonders hell und mir kam es so vor, als wenn sie den Veranstaltern damit Mut geben wollte. Zuschauer waren mittlerweile auch schon da, aber ein paar mehr hätten es schon sein dürfen. Verdient hätte es das Festival allemal. Doch Dresden ist ein schweres Pflaster, und es waren in der Umgebung am selben Tag auch noch jede Menge andere Veranstaltungen, wie das Bluesfestival im „Tante Je“ sowie die Stadtfeste in Heidenau und Coswig.


Jan Koch

Aber an dieser Stelle möchte ich nun etwas zu den Künstlern und ihren Auftritten beim Festival schreiben. Fünf Liedermacher aus Ost und West sowie zwei Bands teilten sich am Sonnabend die Bühne. Die Zusammenstellung war mutig und gewagt, aber doch erfolgreich, wie der Verlauf des Abends noch zeigen sollte. Der Zufall will es, dass ich sechs der sieben Musiker / Bands schon persönlich kannte und mit einigen von ihnen zum Teil seit Jahrzehnten befreundet bin. Ich freute mich auf jeden einzelnen Ton von ihnen.

Den musikalischen Reigen eröffneten Tommy S. und sein Bühnenpartner André Hellwig. Wer an diesem Tag große Reden und Parolen erwartet hatte, sah sich getäuscht. Die Musik und die Künstler sprachen schon für sich. Tommy S. begrüßte die Gäste kurz, knapp und herzlich. Der Dresdner Liedermacher hatte sich ganz bewusst entschieden, die undankbare Aufgabe des ersten Kulturbeitrages zu übernehmen. Der Auftritt war sehr kurz gehalten, aber das sprichwörtliche Eis war erstmal gebrochen. Tommy hat das unter anderem dadurch geschafft, dass er ein sehr bekanntes Lied von Gerhard Gundermann interpretierte. Dieses Lied kennen viele Leute und Tommy’s außergewöhnliche, intensive Stimme kommt dabei ganz besonders zum Tragen. Aus seinem Innersten heraus fanden seine Töne den Weg in die Ohren des Publikums und erreichte dabei auch so manche Seele. Für mich war das ja keine Überraschung, denn oft genug habe ich ihn schon singen gehört. Aber ich freute mich sehr, dass unsere Musikexpertin aus dem Striegistal von Tommy`s Gesang total beeindruckt und gefesselt war.


Akim Jensch

Das Publikum hatte es sich auf der Wiese, am Bierstand oder auf Stühlen bequem gemacht und lauschte den Künstlern sehr aufmerksam. Überhaupt waren die Anwesenden alle sehr aufgeschlossen für die Darbietungen der Künstler und auch die Gespräche Drumherum waren von Freundlichkeit, Offenheit und gegenseitigem Respekt gekennzeichnet. Auch die Musiker mischten sich ständig unter's Volk, redeten mit den Leuten und lauschten den Programmen ihrer Kollegen.
Bei so einer tollen Atmosphäre fühlte sich wohl jeder wohl. Der nächste Künstler war Jan Koch aus Berlin. Er stellte sich unter anderem mit seinem Lied „Versager“ vor. Nun als Versager würde ich Koch nicht gerade bezeichnen. Was er in Dresden gespielt hat, war völlig okay und gute Liedermachermugge. Aber er kam mir sehr zurückhaltend vor. Ich mag mich ja täuschen, aber irgendwie fehlte meiner Meinung nach der richtige Funken. Mag sein, dass es daran lag, dass ich Jan Koch bisher nicht kannte.


Die Lautmaler

Da ist der Osnabrücker Akim Jensch schon ein ganz anderes Kaliber. Ausdrucksstark, mit lächelndem Gesicht und zahlreichen Gesten erzählte er etwas zu seinen Liedern und gab damit auch neuen Zuhörern die Möglichkeit seine Lieder besser zu verstehen. Für mich ist es immer wieder auf's Neue faszinierend zu sehen, mit welchem persönlichen Einsatz Akim auf der Bühne agiert. Er durchlebt seine Lieder förmlich. Verwunderlich ist das aber nicht, denn Akim Jensch greift die Themen der Lieder aus seinem Leben. Manchmal, wenn es ihm besonders gut oder schlecht geht, greift er zur Gitarre und beschreibt seine Gefühlswelt, seine Freude oder seinen Schmerz in einem neuen Lied. Es lohnt sich wirklich Akim Jensch zuzuhören, denn er ist kein oberflächlicher Sprücheklopfer, sondern er ist ein intensiv beobachtender und nachdenkender Mensch. Von seinen Liedern kamen “Fragen“ und „Mein Herz für den Osten“ nach meinem Dafürhalten bei den Leuten am Besten an.

Es wurde Zeit für die erste Band und das waren die Lautmaler aus Berlin. Miri, Manfred und Olaf entführten uns wieder in ihre außergewöhnlichen Klangwelten. Ihre Musik passt in keine der herkömmlichen Schubladen. Sie ist vielfältig, bedient sich verschiedener Stilelemente von Jazz, über Folk bis hin zu klassisch klingenden Tönen. Die drei Musiker verzauberten mit Miri’s Gesangsstimme, zwei Gitarren und wechselnden zusätzlichen Instrumenten. Die verträumten, romantischen, nachdenklichen Texte brauchen keinen Lärm, sondern entfalten sich gerade bei dieser sparsamen Instrumentierung besonders intensiv. Manfred Gruber ist ein Ausnahmegitarrist, der wieder wunderbare Melodien aus den sechs Saiten seiner akustischen Gitarre herausholte. Miri beeindruckte die Zuhörer mit ihrer phantastischen, zarten Stimme, die ganz hervorragend zur Musik der Lautmaler passt. Olaf Garbow zeigte sein Können wieder an den verschiedenen Flöten, Pfeifen, an der Maultrommel und anderen Trommeln. Der Mann ist einfach Klasse, hat immer einen lustigen Kommentar bereit, und er geht in seinen vielen Instrumenten einfach auf. Wenn die Instrumente nicht mehr reichen, dann pfeift er eine Melodie auch einfach mal so ins Mikro. Neben ihren bekannten Liedern wie „Reiselust“ oder „Luftschloss“ hatten die Lautmaler auch zwei neue Lieder im Gepäck, eines davon hieß „Turmuhr“. Mein Kumpel Uwe ist ja sonst nicht so leicht zu beeindrucken, doch die Lautmaler hatten es ihm auf Anhieb angetan. Nach dem Auftritt kaufte er sich sofort ihre CD „Denkräume und Klangwelten“.


Die Gruppe AufSturz

Mit AufSturz wurde es dann etwas rockiger. Vize, Marko, Basti und Robsen gingen frisch und mit Spielfreude ans Werk. Die Band steht ja für melodiebetonte, liedhafte Rockmusik und damit erfreute sie am Sonnabend auch die Dresdner. Die Jungs boten uns ein paar ihrer eigenen Titel und sie bedienten sich auch bei ihren musikalischen Vorbildern. Ich saugte jeden Ton von „Mein Weg“, „Zu Hause“, „Irgendwann“ und all den anderen AufSturz-Perlen in mir auf, denn diese Lieder begleiten mich schon einige Jahre durch's Leben. Mit den Texten kann ich was anfangen, sie sind aus dem Leben gegriffen und sie drücken vieles aus, was auch mich bewegt. Manche dieser Lieder könnten so auch von mir stammen, wenn ich Liedtexte schreiben könnte. Die AufSturz-CD „Hände weg“ gehört zu meinen absoluten Lieblingsalben. Die Scheibe habe ich im Auto immer griffbereit und sie kommt bei mir regelmäßig zum Einsatz. Natürlich spielten die vier Musiker auch Lieder von Gundi, und das kam beim Publikum ausgesprochen gut an. Vize outete sich dann in einer Ansage als gebürtiger Dresdner und streifte sich auch gleich noch ein Dynamo-Trikot über. Mein junger Freund kann sein schwarz–gelbes Herz eben nicht verleugnen und das ist auch gut so ;-)
Ganz stark war natürlich auch ihre Interpretation von Stoppok’s „Aus dem Beton“. Da kam bei mir richtig Freude auf. Doch eines muss ich kritisieren: das Keimzeit’sche „Kling Klang“ musste nun wirklich nicht sein. Bei dem Lied bekomme ich mittlerweile automatisch Ohrenkrebs und da ist es auch egal, wer das gerade spielt. Trotzdem war die Mugge von AufSturz eine runde Sache. Für mich persönlich waren sie sogar der Höhepunkt des Tages. Einige Besucher forderten noch mehr von AufSturz, aber das Organisationskommitee kannte kein Erbarmen und hielt am Zeitplan fest.


Thomas Koppe

Der in Hessen wohnende Liedermacher Thomas Koppe sorgte dann wieder für sanftere Töne. Thomas war erst kurz vor dem Auftritt angekommen, weil er nachmittags in Frankfurt noch einen Auftritt mit seinem Kinderprogramm hatte. Doch auf der Bühne merkte man ihm von den Anstrengungen des vorherigen Auftrittes und der Autofahrt gar nichts an. Koppe hat eine sympathische Ausstrahlung. Er ist ein begnadeter Entertainer, der sich sein Publikum schnell erspielt. Auch in Dresden war das so. Mit einem ordentlichen Schuss Humor bzw. dem berühmten Augenzwinkern sang er seine Lieder und erzählte zwischendurch kleine Geschichten. Koppe arbeitete mit dem Publikum, band es in sein Programm ein. Beim „Loblied auf die Frauen“ forderte er die Leute zum Mitsingen auf und das klappte sogar. Das Highlight war sein scherzhaftes musikalisches Denkmal für den Vogelsberg-Kreis.

Wenn ein Liedermacher die richtigen Mitstreiter findet, kann aus der Liedermacherei ganz schnell gute und handgemachte Rockmusik werden. Das muss nicht immer und bei jedem funktionieren. Aber bei der Stefan Lux Band klappt das bestens. Stefan und Robert spielten Anfang des Jahrtausends schon zusammen bei den Muggefuckers und Stefan schlug nach seinem Ausstieg bei der Band erst einmal Solopfade ein. Er machte sich schnell einen Namen als Liedermacher. Als er dann Robert mal wieder traf, spielte man fortan im Duo mit Gitarre und Bass. Das klang schon wieder rockiger. Seit letztem Jahr ist die Stefan Lux Band mit Schlagzeuger Lars Mothes und Gitarrist Konrad Hartsch komplett.


Stefan Lux Band

Beim Festival in Dresden konnte sich das Publikum von den Qualitäten von Stefan und seinen Mitstreitern überzeugen. Mit Leidenschaft und Spielfreude präsentierte die Band ihren (Deutsch-)Rock. Die Musik kam ungekünstelt, ohne irgendwelche Schnörkel und ungeschliffen daher. Die Band setzte konsequent auf eigene Stücke wie „Marie“ oder „Komm auf die Beine“. Die Texte von Stefan sind ja voll aus dem Leben gegriffen und man verstand sie auf Anhieb. Einige Lieder waren balladesk, doch die meiste Zeit war die Stefan Lux Band konsequent am Rocken. Die Musiker sind allesamt Könner ihres Faches und das hörte man auch. Es klang einfach rund, was die Jungs ablieferten. Leider kam gegen 22.30 Uhr ein verärgerter Rentner aus der Nachbarschaft, beschwerte sich über den Lärm und drohte mit den Freunden und Helfern in der jetzt blauen Uniform. Doch die Veranstaltung wurde trotzdem noch ordentlich zu Ende gebracht. Alle am Festival beteiligten Künstler trafen sich auf der Bühne und gemeinsam spielte man Gundi’s „Alle oder Keiner“. Das Publikum bedankte sich mit herzlichen Applaus und die Stefan Lux Band legte mit „Am Leben dabei“ noch einen nach.

Ab 22.45 Uhr wurde flink abgebaut und die Technik verstaut. Doch die Nacht war noch zu jung und so trafen sich Musiker, Helfer und Freunde anschließend noch in den Räumlichkeiten des „IDEE 01239 e.V.“ und ließ den Abend bei Musik zur Gitarre sowie netten Gesprächen ganz langsam ausklingen. Lieder von Gundi, MTS und Amor & den Kids sorgten noch mal für Stimmung. Doch die Helden und auch ich wurden langsam müde. Kurz nach 3.00 Uhr wurden die Gitarren verpackt, der letzte Schluck getrunken und jeder trat den Weg nach Hause bzw. ins Quartier an. Etwa eine Stunde rollte auch ich endlich auf dem heimischen Hof.




Fotoimpressionen:

Beobachtungen am Rande:


Organisator Lutz Stein












Auftritt "Tommy S."













Auftritt "Jan Koch"













Auftritt "Akim Jensch"

















Auftritt "Lautmaler"

















Auftritt "AufSturz"



















Auftritt "Thomas Koppe"















Auftritt "Stefan Lux Band"

















Aftershow-Party