DEPECHE MODE live am 31. Oktober 2009 in Oberhausen


Bericht: Christian Reder
Fotos: Pressefoto






Depeche Mode war am 31.10. live...

Weil sich die nächste Abartigkeit der Amis in Deutschland von Jahr zu Jahr mehr breit macht, muss man als einer der Wenigen, die das ablehnen, zusehen, dass man sich am 31. Oktober um Ablenkung bemüht. Also raus aus den vier Wänden und ab in den nächsten Livemusik-Tempel, um sich eine der größten Bands aller Zeiten anzuschauen: Depeche Mode.
Im nächsten Jahr feiert die Kapelle um Dave Gahan bereits ihr 30. Jubiläum. Im Jahre 1980 begann also die Erfolgsstory der britischen Formation, und was viele nicht wissen (oder schon vergessen haben): Ganz zu Anfang spielte bei Depeche Mode ein Mann an den Tasten, der später die erfolgreichen Projekte Yazoo (mit Alison Moyet) und Erasure gründen sollte. Die Rede ist von Vince Clark! Und nach der Handschrift von besagtem Vince Clark klang Depeche Mode auch Anfang der 80er. Songs wie "Dreaming Of Me" oder "New Life" hätten auch gut und gerne von Yazoo oder Erasure sein können. Dies aber nur am Rande. Der Weg von Depeche Mode war in den fast 30 Jahren mit extremen Höhen und viel extremeren Tiefen gepflastert. Während man ganz zu Anfang Probleme hatte, eine Plattenfirma zu finden, die auch bereit war, die für damalige Verhältnisse noch relativ "neu" klingenden Songs der Jungs aus Basildon (UK) zu verlegen, ging die Kurve nach der Veröffentlichung des Albums "Speak & Spell" im Jahre 1981 steil nach oben. Dies blieb auch bis Mitte der 90er so, mal abgesehen von kleineren "Erfolgsschwankungen". Die Kurve machte Mitte der 90er aber einen extrem steilen Knick nach unten. Nach dem Ausstieg von Alan Wilder im Jahre 1995 geriet das ganze Bandgefüge ins Wanken. Dave Gahan war mit seiner Heroinsucht soweit unten angekommen, dass er einen Suizidversuch unternahm und etwa ein Jahr später eine Überdosis nur knapp überlebte. Es schien das Ende der erfolgreichen Band zu sein. Doch Totgesagte leben länger, denn nach erfolgreicher Therapie und mit großer Lust am Beruf gingen die drei verbliebenen Musiker ins Studio, um die Erfolgsstory von Depeche Mode weiterzuschreiben. Inzwischen sind fast 14 Jahre nach diesem Tiefpunkt vergangen, und Depeche Mode zählt zu den erfolgreichsten, beständigsten und kreativsten Bands der Welt. Mit der aktuellen CD "Sounds Of The Universe" hat die Band in diesem Jahr ihr 12. Studioalbum veröffentlicht. Am Samstag machte das Trio, erweitert um einige Live-Musiker, Station in Oberhausen.

...in der Arena Oberhausen zu sehen.

Die Arena in Oberhausen war mit 12.000 zahlenden Gästen ausverkauft. Der "Pott brodelte" sozusagen... Diese Tour, mit der die Gruppe in Oberhausen gastierte, wurde im Mai aufgrund eines bei Dave Gahan diagnostizierten Blasen-Tumors, und der damit verbundenen Behandlung, verschoben. Scheinbar hat Gahan diese Erkrankung gut überstanden, denn am Samstag machte er auf der Bühne (wie auch seine Kollegen) eine gute Figur. Mit Videoleinwand und reichlich Technik auf der Bühne zogen Depeche Mode alle Aufmerksamkeit auf sich. Mit drei Songs aus dem aktuellen Album "Sounds Of The Universe" ging das fast 2-stündige Spektakel los. "In Chains", "Wrong" und "Hole To Feed" bekam das "Mode-hungrige" Volk als erstes zu Gehör. Live und nicht - wie bisher gekannt - nur von CD (oder Platte, denn die gibt's ja auch). Gahan, für den der Mikrophonständer weit mehr als nur ein technisches Hilfsmittel ist, brillierte gesanglich und auch von der Choreographie her. Selten steht der Mann still, greift sich gelegentlich den besagten Ständer, wirbelt ihn herum, tanzt mit ihm oder hält sich daran krampfhaft fest. Allein dieses Schauspiel veranlasst die Zuschauer dazu, diesen charismatischen Frontmann nicht aus den Augen zu lassen. Das Programm wurde nach den drei neuen Songs mit einer Art "Best Of" fortgesetzt. All die Klassiker, die man von der britischen Formation kennt, versetzten das Publikum in Extase. "Walking In My Shoes", "A Question Of Time", "Precious", "Policy Of Truth", "Enjoy The Silence" und "I Feel You" waren nur einige der All-Time-Classics von Depeche Mode, die zum Vortrag gebracht wurden. Synthiepop vom Feinsten in einer großartig live dargebotenen Form. Mit "Never Let Me Down" wollten Depeche Mode dann ihr Konzert nach über 90 Minuten beenden. Doch das konnten sie abhaken. Die 12.000, im Verlauf des Konzerts als textsicher und stimmungsmachend enttarnte Fans forderten Lautstark nach MEEEEHR!!! Dieses nette kleine Spielchen mit "Runter von der Bühne - Zugaberufen - Rauf auf die Bühne" machten Gahan, Gore & Co natürlich gerne mit. Mit "Stripped", "Personal Jesus" und "Behind The Wheel" gab's dann noch mal einen Nachschlag, ehe sich die Briten endgültig von ihrem Publikum verabschiedeten.
Was bleibt? Das Gefühl, ein großes Event erlebt zu haben, dessen Bilder für die nächsten Wochen (vielleicht auch Monate) im Kopf bleiben werden. Und wer noch nie bei einem Depeche Mode-Konzert mitten im Publikum gestanden hat, sollte sich dieses Erlebnis ruhig mal gönnen. Die anderen Zuschauer zeigen einem, bei welchem Song man sich wie zu bewegen hat und man kommt in die Publikums-Choreographie schnell rein. Die Musik von Depeche Mode und das Gefühl inmitten der Leute zu stehen bilden ein Gesamtpaket, das man schlecht in einem Konzertbericht beschreiben kann. Hingehen, erleben und einem unvergesslichen Live-Abenteuer beiwohnen.