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Bericht: Hartmut Helms Fotos: Hartmut Helms (Livebilder) Pressefoto (Textillustration)
Melanie Dekker "Hier und Jetzt" und in Dresden Das letzte der seltenen Sommersonnenwochenenden ist gleichzeitig das erste im Herbst. Die Natur macht mit dem ersten Herbstgold an den Bäumen und Sträuchern einen auf versöhnlich und mein Gemüt schließt sich widerspruchslos an. Der Entschluss, mal ein normal ruhiges Wochenende zu verbringen, ist kurzfristig ad acta gelegt und mein silberner Blechfreund lädt mich zu einer Fahrt unter der warmen Sonne durch die immer bunter werdende Umgebung ein. Wir finden uns in der aufkommenden Dämmerung vor der TANTE JU in Dresden wieder. Eine Sängerin und Liederschreiberin namens MELANIE DEKKER aus Kanada, dem Land mit dem Ahornblatt in der Fahne, ist hier angekündigt. Der Name war mir schon öfter zu Ohren gekommen, und nun wollte ich mal wieder meine Neugier befriedigen. Na, erst mal gucken und dann auch hören.
Zu vorgerückter Stunde erscheint sie auf der Bühne in Stiefeln, Hot Pants und langen blonden Haaren - "Ooh La La", würde jetzt Rod Stewart sagen oder singen! Die schlanke Lady da oben aber singt "I Said I" und "This Song" als Opener, zwei locker flockige Pop-Songs mit dezentem Country-Touch. Danach ist die Stimmung gelöst. Man hat sich im Halbrund vor der Rampe versammelt, um besser zu sehen und dem Geschehen leichter folgen zu können. Mir bleiben vor allem die beiden zündenden Nummern "Saturday Night Show", wegen eines knackigen Picking-Guitar-Solos, und "Every 20 Minutes" wegen der besonderen Folk-Stimmung im Ohr haften. Was MELANIE DEKKER da mit ihren beiden Begleitern, dem Berliner MARTIN ROSE am Bass und DAVID SINCLAIR an den Gitarren, zaubert, ist beste nord-amerikanische Folk-Tradition in poppiger Verkleidung. Über all den Songs thront die helle und einfühlende Stimme der Sängerin. Die erzählt uns Geschichten aus ihrem Leben, ihrem Umfeld und vom eigenen Bruder ("Flowers"), der sich mit einem gebrochenem Herzen herumschlagen muss. Den etwas älteren Gesichtern, "I can't see you in the dark in front of me", widmet sie ein Lied aus deren Jugendjahren und singt uns, nicht ganz ernst gemeint, was von "trying flower power" und "sunshine's waiting for a jam in the park". Der Song heißt "Hippie" und versprüht ein Gefühl von Sommer, Sonne, Reggae und Spaß. In der kurzen Pause spreche ich sie darauf hin an und frage, ob sie denn für einen alten "Hippie" im zweiten Teil auch ein altes Lied spielen würde... Dieser zweite Konzertteil beginnt mit einer Überraschung. Mit warmen Worten kündigt Melanie Dekker ihren Gitarristen und ein paar "inspirierende Momente mit Musik" an. Was dann kommt, erlebt man nur selten und meist unangekündigt. Der aus Vancouver stammende Vollblutmusiker gleitet mit leisen Finger-Picking in ein Gitarrensolo, dass sich langsam steigert, so dass einem mittendrin und bei einem Wahnsinnstempo stellenweise der Atem stockt. Das ganze mündet in "Captain", eine stampfende Nummer, von der ich meine, sie schon irgendwo mal gehört zu haben. Die Menge tobt frenetisch und zum ersten Mal sehe ich DAVID SINCLAIR an diesem Abend lächeln.
Viele Songs des Abends entstammen den CDs "Revealed" (2006) sowie "Acoustic Ride" (2007). Die meisten jedoch aus dem aktuellen Album "Here & Now", das mit der Tour beinahe vollständig vorgestellt wird. Aus diesem Silberling kommt auch "Until The Wind Stops Blowin' (In Denmark)", das mir schon wegen der Assoziationen zu meinen Törns zwischen den Dänischen Südseeinseln gefällt. Danach verabschieden sich die drei auf der Bühne vom begeisternd klatschendem Publikum, um gleich darauf als Zugabe das gefühlvolle "Stare At The Rain" wie einen leisen Abschied zu singen. Einen allerletzten soll es noch geben, meint sie, und bei den ersten Gitarrentönen erkenne ich an den mir zugewandten Augenzwinkern, dass gerade mein Wunsch aus der Pause zu klingen beginnt. Es ist wirklich tief bewegend, einen Song wie Lennon's "Norwegian Wood" mit nur zwei Akustikgitarren und einer einfühlsamen warmen Frauenstimme für sich allein zu genießen und ich spüre, dass es auch einen ganz eigenen Reiz haben kann, über ein paar Jahrzehnte Leben hinweg solche Vergleiche ziehen zu können. Stellt euch mal vor, das Abweichen von der Set-List würde Schule machen - nicht auszudenken, die vielen tollen Überraschungen! Heut' Abend bin wohl auch ich wieder mal von meiner "Setlist" ab- und dem Alltagstrott ausgewichen. Heut' Abend hat irgend jemand vielleicht zum 17. Mal in diesem Jahr die Band und das Idol seines Herzen im Konzert erlebt. Mein eigener "Plan" fand heute (mal wieder) nicht statt. Ich hab' neue Musik live erlebt und nebenbei einen fantastischen und bescheidenen Gitarristen namens David Sinclair erlebt, der gemeinsam mit Martin Rose am Bass eine freundliche und überzeugende Künstlerin durch ein Konzert geleitet hat. Wem die großen Stars wie Sheryl Crow und Shania Twain inzwischen zu weit weg von ihren Fans und zu teuer sind, darf sich bei der sympathischen Melanie Dekker aus Kanada mit ihrer tollen "Stimme aus Schokolade" ein wenig "trösten" und wird wahrscheinlich, ebenso wie ich, eine Überraschung abseits vom plärrenden Radio und frigider TV-Show erleben. Nächste Termine (nur Deutschland): 29.09. Musiktheater Piano Dortmund 30.09. Ahabs Culture Club Cuxhaven 01.10. Ursprung Rostock 05.10. Kulturzentrum Alte Meierei Postfeld 10.10. Hi-Fi Gärber Fulda 11.10. Südpunk Nürnberg 12.10. Theaterstubchen Kassel 13.10. Live Club Bamberg 14.10. Lichtspielhaus Riedlingen 15.10. Kulturkneipe Hirsch Metzingen-Glems 18.10. Grüner Baum Gaufelden 19.10. Steinkellerhaus Gengenbach 20.10. Scheuer - Folk Club Villingen-Schwenningen 21.10. Die Halle Reichenbach 22.10. Adler Hohenstein-Meidelstetten 24.10. Wiley Club Neu-Ulm 25.10. Acoustic Lounge at TTZ Marburg 26.10. Kaufmanns Schlachthof Bruchsal 28.10. Weingut Weyell Dexheim 29.10. Schlachthof Lahr 05.11. Felsenkeller Schwandor 07.11. Knoxoleum Burghausen Bitte beachtet auch: - off. Homepage von Melanie Dekker: www.melaniedekker.com - Homepage der Tante Ju in Dresden: www.liveclub-dresden.de
Live-Impressionen:
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