D.A.F. live am 27.02.2009 in Hamburg


Bericht: Holger Stürenburg
Fotos: PR




Und da sind sie wieder - die ewigen Provokateure vom Dienst, Robert Görl (dr) und Gabi Delgado-Lopez (voc), besser bekannt als "Deutsch-Amerikanische Freundschaft", kurz "D.A.F.". Die beiden bekennenden Homosexuellen galten zur Dekadenwende 70er/80er als DIE Kultband der aufkeimenden deutschen New Wave schlechthin.
Nach ihrer (ersten) Trennung 1982, folgten diverse Comebacks und erneute Spaltungen - doch 2009 wirbeln "D.A.F." die einheimische Popszene jenseits des Mainstreams wiederum gehörig auf - frisch, provokant, drall, brillant, wie eh und je. Zwar ohne neues Album im Gepäck - die letzte gemeinsame Produktion, "15 neue D.A.F.-Lieder" erschien bereits 2003 -, begeisterten Gabi und Robert am vergangenen Freitag (27.02.2009) rund 800 Fans im nahezu ausverkauften Hamburger Club "Uebel & Gefährlich", dem einstigen "Bunker", in dem zum Millennium der damalige hanseatische "Partykönig" Michael Ammer mit dem späteren Innensenator Ronald Schill und anderen halbseidenen Figuren seine nicht unumstrittenen Feten steigen ließ.
Um Punkt 20.00 Uhr startete der Event mit einer absolut interessanten Vorband namens "Leichtmatrose". Gitarrist, Schlagzeuger, hübsche Sängerin und Frontmann Andreas Stitz - laut Internet alle aus dem westfälischen Münster -, präsentierten eine faszinierende Mischung aus rasantem Neo-Deutschrock, deftigem Blues und dunklen Gothic-Anklängen. Titel wie "Sexi ist tot", "In Wahrheit gelogen", "Studentenfutter", "Junge von nebenan", "Herztransplantation" oder "Himmelfahrt" überzeugten mit bitterbösen, mehrdeutigen Texten zu prägnanten, leicht abstrakten, aber stets gekonnt inszenierten Melodien. Ich denke, vom "Leichtmatrosen" werden wir in Futuro noch einiges hören : ))
Ja, und kurz darauf erschienen die Hohen Herren der "Deutsch-Amerikanischen Freundschaft" auf der Bühne des "Uebel & Gefährlich". In Würde gealtert, zelebrierten Gabi (50) und Robert (53) eine phantastische Zeitreise in die frühen 80er Jahre, irgendwo zwischen Zukunftsangst und Wirtschaftsaufschwung, zwischen Nato-Doppelbeschluss und "Kohl-Wende", zwischen "No Future" und "Zukunft durch Leistung".
Überwiegend neu arrangiert, erklangen überwiegend Klassiker aus den drei Hitalben "Alles ist gut", "Gold und Liebe" (beide 1981) und "Für immer" (1982). So startete die rund 90minütige Show mit DEM Hymnus der enttäuschten, aber zugleich aufmüpfigen Spät-70er-Teenager, "Verschwende Deine Jugend" - bekanntlich auch Titelgeber für Jürgen Teipels schier genialen New-Wave-Doku-Roman aus dem Jahr 2002.
Es folgten zugegebenermaßen durchaus monotone, aber dem zum Trotz musikhistorisch immens bedeutsame Keyboard-/Schlagzeugorgien der Sorte "Ich und die Wirklichkeit" oder "Verlier nicht den Kopf" - bevor die Ideologien des 20. Jahrhunderts genialisch-diabolisch verballhornt wurden: "Tanz den Mussolini / und jetzt den Adolf Hitler / und jetzt den Kommunismus"...
Kaum ein Lied aus dem Dunstkreis der Neuen Deutschen Welle hatte damals für mehr Aufsehen und Diskussionen gesorgt, als "Der Mussolini". Gabi und Robert wurden von manchen selbsternannten Besserwissern - völlig zu Unrecht - in eine schmuddelige rechte Ecke gestellt; die 68er-Gutmenschen zeterten - derweil wollten "D.A.F." mit gerade diesem Titel schlicht und einfach nur provozieren - und den Irrsinn dieser verquasten Ideologien tanzend ad absurdum führen.
Weiter ging's mit Klasse klassischem Früh-80er-Programm: "Ich will", "Muskeln", "Rote Lippen", "Sex unter Wasser", "Mein Herz macht Bumm", "Sato, Sato", "Alle gegen alle" - am 27.02.2009 wurde im "Uebel & Gefährlich" wahrlich teutonische Musikgeschichte nachgezeichnet. Von den "15 (nicht mehr ganz so neuen) D.A.F.-Liedern" kamen nur ganz wenige Beiträge zum Zuge.
All diejenigen Stilistiken, die wir "Zeitzeugen" jener Tage eigentlich gar nicht so mögen - Techno, "Neue Deutsche Härte" und Co. - wären ohne die famose Vorarbeit von Robert Görl und Gabi Delgado-Lopez letztlich nicht möglich gewesen.
Ob und wie lange die beiden - im positivsten Sinne des Wortes - Egozentriker und Eigenbrödler noch oder wieder zusammen musizieren werden, steht in den Sternen. Ich denke manchmal, die beiden können nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander leben. Robert gibt den coolen Instrumentalisten, Gabi dagegen den sprichwörtlichen "Bühnen-Berserker", der die oft sarkastischen, drastischen Texte mit einer guten Portion Selbstironie ins Mikrophon brüllt.
Die Zuschauer im "Uebel & Gefährlich" - überwiegend 80er-Kinder, darunter viele Punks, leider auch nicht wenige Skinheads - waren von der eineinhalbstündigen Darbietung ihrer "verschwendeten Jugend" jedenfalls konsequent begeistert. Vielleicht hat dies Robert und Gabi womöglich sosehr beeindruckt, daß sie sich in ein paar Jahren wiederum auf Tournee begeben und womöglich sogar 15 (oder gerne auch mehr) "neue D.A.F.-Lieder" auf CD pressen!

Bitte beachtet auch: www.daf.ag