Vorbericht: D.A.F. am 27.02.2009 in
Hamburg und am 28.02.2009 in Leipzig



Bericht: Holger Stürenburg
Fotos: PR




Das 1978 in Wuppertal gegründete Projekt "DEUTSCH AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT" - kurz "D.A.F." - galt als eine der polarisierendsten, umstrittensten nationalen Bands der originären deutschen New Wave im Zeitraum der anbrechenden 80er Jahre. Der professionell in Klassik und Jazz ausgebildete Schlagzeuger ROBERT GÖRL und der "musikalische Autodidakt" (Wikipedia.de) GABI DELGADO-LOPEZ (Gesang) provozierten selbsternannte Möchtegern-Intellektuelle, stets betroffene 68er-Gutmenschen und "politisch (über)korrekt" agierende Medienvertreter mit fraglos gewöhnungsbedürftigen Klangkaskaden der Sorte "Die lustigen Stiefel marschieren über Polen" (1980), "Kebab-Träume" (dto.), "Der Räuber und der Prinz" (dto.) und vor allem "Der Mussolini" (1981). "Geh in die Knie / Beweg Deinen Hintern / Klatsch in die Hände / Und tanz den Mussolini / und jetzt den Adolf Hitler / und jetzt den Kommunismus"... kaum eine andere Textzeile eines Untergrund-Hits jener Tage wurde heftiger und deftiger diskutiert, als eben zitierte. Viele Alt-Hippies und "durch die Institutionen Marschierende" warfen Robert und Gabi vor, faschistische Propaganda zu betreiben, oder sogar selbst in der rechten Ecke zu stehen - zumal derartige Klänge ob ihrer starken, zickig-zackigen Rhythmisierung zweifellos an Marschmusik und ähnlich Diffuses erinnerten.
Das "platonische Liebespaar" (Jürgen Teipel in seinem hervorragendem Doku-Roman "Verschwende Deine Jugend", 2002) konterte damit, es sei viel "zu lustvoll für Faschisten"; die beiden Protagonisten spielten aber weiterhin mit Lack-und-Leder-Outfits, monotonen Rhythmen und ebensolchem Gesang, betonten allerdings, etwa mit dem "Mussolini" die irrsinnigen Ideologien des 20. Jahrhunderts letztlich ad absurdum führen zu wollen. 1981/82 zählten "D.A.F." zu DEN Kultereignissen der aufkeimenden Neuen Deutschen Welle (NDW). Die LPs "Alles ist gut" (1981), "Gold und Liebe" (dto.) und "Für immer" (1982) gerieten schleunigst zu kommerziellen Erfolgen, wobei Erstere sogar mit dem "Deutschen Schallplattenpreis" der Phonoakademie ausgezeichnet wurde. Als die Best-of-Koppelung "Für immer" erschien, gingen Robert und Gabi bereits getrennte Wege, konzentrierten sich auf - überwiegend englisch gesungene - Soloprojekte. Trotzdem hatten "D.A.F." mit ihren radikalen, avantgardistischen und zugleich ultratanzbaren Klangorgien erheblichen Einfluß auf die folgende Entwicklung so unterschiedlicher Stilistiken, wie NDW, EBM, Electro, gar Techno und Acid/House ausüben können.
Die Jahre vergingen… Erst 2003 produzierten Robert und Gabi "Fünfzehn neue DAF-Lieder". Mit dem gleichnamigen Album im Gepäck, das einerseits an ihre frühen Klassiker aus den 80ern gemahnte, andererseits deutliche Genremerkmale von Techno oder "Neuer Deutscher Härte" aufwies, begaben sich die beiden in Würde gealterten New-Wave-Heroen auf eine umjubelte Comeback-Tournee. Die CD beinhaltete wiederum enorm provokative, zugespitzte Texte, etwa die zynische George W. Bush-Parodie "Der Sheriff" oder die ironisch überzeichnete RAF-Verklärung "Kinderzimmer", und konnte im Frühjahr 2003 sogar kurzzeitig in die offiziellen "Media Control"-Listen einziehen. Doch kurz nach dieser Konzertreise, verkündete Gabi, er habe keinerlei Interesse mehr an einem weiteren Bestehen von "D.A.F.", was zu einer weiteren Auflösung des so unterschiedlichen und dennoch in kreativer Hinsicht so perfekt miteinander harmonierenden Duos führte.
"Nichts ist für immer" sangen Robert und Gabis New-Wave-Kollegen von "Extrabreit" vor rund 15 Jahren… Ja, und 2009 hat sich genau diese These eindrucksvoll bestätigt: Die beiden Punk-Exoten von "D.A.F." haben sich wiederum versöhnt und geben in Bälde unter dem Motto "30 Jahre Krieg - als wär's das letzte Mal", präsentiert vom Gothic-Magazin "Sonic Seducer", zwei exklusive Konzerte in diesem unseren Lande. So treten "D.A.F." am 27. Februar 2009 im Club "UEBEL & GEFÄHRLICH" (dem ehemaligen "Bunker"/Feldstraße - Beginn 20.00 Uhr), sowie einen Tag später, am 28. Februar 2009, im "Lagerhof Club" zu Leipzig auf.
Allen nicht mit Scheuklappen behafteten Freunden eher schrägerer Klänge mit bissigen, aufwirbelnden, drastischen, drallen Texten sei angeraten, eines dieser beiden Konzerte zu besuchen. Der Verfasser dieser Zeilen wird, gemeinsam mit seinem besten Freund und Kollegen Jan Lindenau, am Freitag in einer Woche im "Uebel & Gefährlich" vor Ort sein und Euch kurz darauf einen schönen Bericht über diesen Auftritt der beiden unverbrüchlichen Provokateure präsentieren!

Bitte beachtet auch: www.daf.ag