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Bericht: Hanni Möller Fotos: Hanni Möller
Wenn sie singt, ist es einfach nur toll. Toll? Toll! Oder welche Beschreibung ließe sich noch finden, wenn ihre Stimme durchs Mikro fließt: weich & kraftvoll bei allen Tonlagen und Lautstärken – das ist gekonnt UND gefühlvoll UND spielerisch zugleich und einfach atemberaubend.
Dann eine musikalische Pause und Meret begrüßt das Publikum, indem sie ihr Programm „BerliNoise“ erklärt: eine gewisse Frankophilie läge dem zugrunde, aber natürlich auch das Wortspiel aus Berlin & Noise (da sie ja eh so sehr nach dieser Stadt stinken würde). Und dann packt sie sich eine Trommel, stellt sie neben sich, um sie mit dem Fuß bedienen zu können, dazu in der Hand einen Zylinder und zaubert damit quasi das nächste Lied. Perfekt eingerahmt von Konfetti, das die Cellistin über Meret fliegen lässt. Ihre nächste Ansage: sie hätte eine Schwäche für Finnland, setzt sich dazu, erwähnt, dass es die Tragik der Finnen sei, dass es im Winter nur dunkel und im Sommer nur hell ist und sich der Finne daher gerne betrinkt, dann nach Hause geht, um mit Selbsttötungsabsicht aus dem Fenster zu springen, aber nur eine Fallhöhe eines Hochparterres hat vor lauter Schnee, somit wieder in die Kneipe geht, sich wieder betrinkt und wieder aus dem Fenster springt... und es folgt dazu ihre berühmte singende Säge, die einen unvergleichlichen Klang in diese textliche Stimmung zaubert... und dann ein dänisches Kinderlied, das sie und ein Musiker jeweils mit einem Spieluhr-Lochstreifen begleiten („Die Sonne ist so dunkel...“ singt sie 4 deutschsprachige Zeilen, bevor ins Dänische gewechselt wird). Und ist sie fertig, springt sie auf und stimmt ein Schlaflied für fröhliche statt depressive Mütter an. Und erneut nimmt sie sich die Säge, begleitet dieses Mal damit ihren Gitarristen, der nun in der Bühnenmitte steht und singt. Und dann ein kleines inszeniertes Abenteuer zur instrumentalen Aufführung: Meret wandert umher in der Bühne, kommt mit zwei Lagen Eierkartons nach vorn, stellt sie an den Bühnenrand, sucht zwei Unterschenkel-Puppenbeine, nimmt sie in die Hände und lässt sie über die Eier wandern. Dann legt sie beides wieder zurück, verbeugt sich und empfängt Applaus.
Die Band wird im Verlauf des Konzerts dann freudig von ihr vorgestellt, jeder Musiker wird gefeiert und von ihr auf geistigen Händen getragen. Sie haben sich gesucht und gefunden und ergänzen sich grandios. Meret zelebriert durch den Abend, und je länger dieser dauert, desto feuriger und expressiver wird sie, ist eins mit sich und der Bühne, auch wenn diese mir viel zu klein vorkam mit all den Spielutensilien und Instrumenten und dem Bewegungsdrang. Man erinnert sich tatsächlich an eine Variete-Bühne mit Raum für Spiel und Tanz und Farben. Aber es geht auch im Kleinen – im ganz Kleinen, wie es die dritte Zugabe zeigen sollte, wo sich alle fünf in einen Kreis auf der Bühne vorne sitzend versammeln, selbst das große Cello gegen eine kleinere Variante ausgetauscht wird und freudig „Learn to fly“ gesungen wird. Die kleinen und die großen Gesten beherrscht Meret Becker und wirkt dabei in jeder Szene souverän glücklich (wie sie auch ihre Musiker begeistert erwähnt, lobt und sagt, dass es schade ist, dass der und der so weit weg wohne, da sie am liebsten immer mit ihm Musik machen wolle...).
Für mich war es ein ungewöhnliches Konzert, das von Meret Beckers Inszenierung lebte. Nicht jede Zauberkunst und nicht jedes Spiel gefällt mir dabei, aber wer Merert Becker kennt, weiß, dass es dazu gehört und sie ihren Variete-Träumen so nah wie nur möglich kommt. Sie ist in dieser Form einzigartig und beherrscht es jedes Mal ein wenig mehr. Ihr manchmal kindlicher Charme ist dabei ebenso vertraut wie ihre Raubeinigkeit, die sie nicht zuletzt mit der Liedzeile „Wir lieben die Biere...“ entsprechend unterstützt und dabei sowohl Ben Becker als auch Harald Juhnke nicht vergisst, die das Trinkerlied entsprechend zur Musik von „Wir lieben die Meere...“ getextet hatten und das wir alle als Aufforderung auf den Weg in die nächste Kneipe mitnehmen sollten. Mich schlug es jedoch in die nasskalte Düsseldorfer Nacht für 10 Minuten Gehweg zum geparkten Auto und dann auf eine 3/4-Stunde Heimweg und einer großen Erinnerung an ihre gewaltige Stimme, die mir am besten in der Tom-Waits-Färbung gefiel. Ein Kompliment geht aber auch an ihre exzellenten Musiker Ben Jeger (Pianio, Glasharfe, Akkordeon), Buddy Sacher (Gitarren, Banjo); Peter Willmanns (Blasinstrumente, Percussion), Chloe Miller (australische Cellistin), ohne die so manches Experiment nicht gelungen wäre, da sie jedes Instrument optimal miteinander zum Klingen bringen. Meret Becker für zu Hause auf CD: "Fragiles" (2001) "NACHTMAHR" (1998) "NOCTAMBULE“ (1996) - Eigenproduktion Live-Mitschnitt "CHANSONABEND" (1993 - 1995) mit Ars Vitalis - Eigenproduktion Live-Mitschnitt Die nächsten Live-Termine: 20./21.12.2011 - Osnabrück - Lagerhalle 29./30.03.2012 - Schwerte - Rohrmeisterei Sept./Okt. 2012 - Frankreich Tournee (in Planung) nähere Infos + weitere Termine auf der Homepage von Meret Becker Bitte beachtet auch: - off. Homepage von Meret Becker: www.meretbecker.de - Homepage des SAVOY in Düsseldorf: www.savoytheater.de
Live-Impressionen:
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