JOAN BAEZ am 04.07.2008 live in Dresden![]() Bericht: Casus Campari Fotos: Casus Campari
2008-07-04 JOAN BAEZ - open air in Dresden ...und die Lerchen stimmen ein. Joan Baez, die Lady des American Folk und der Gitarre-begleitenden Friedensbewegung schlechthin ist in den letzten Jahren leiser geworden. Es ist nicht die Stimme, die sie im Stich läßt - im Gegenteil. "Swing Low" singt sie allein im weiten Rund a capella und wohl kaum einem Besucher der gut besetzten Arena in der Dresdner Jungen Garde kribbelt es nicht über den Rücken. Joan Baez läßt noch immer Gläser zerspringen (Bob Dylan), wenn sie koloratur-like jeden Sopran überstimmt. Ein Bühnenabend mit ihr ist kein Konzerterlebnis schlechthin, sie zelebriert Lieder und Geschichten aus 50 Jahren engagierter Musikbewegung, und sie zelebriert - sich. Noch immer stimmt sie zwischen jedem Song ein oder gern auch mal 2 Minuten ihre Gitarre und bedankt sich artig bei der heute dabei behilflichen Elektronik. Doch was sein muss muss sein, meint sie. Ihre musikalischen Begleiter auf der Bühne flaksen derzeit mit dem Publikum oder stecken "gelangweilt" die Hände in die Hosentasche (Michael Duclos am Bass). All das gehört zur Show. Sie freut sich über jede Regung, die das übliche Maß überschreitet und sie ist dankbar für jede Erwiderung aus dem Publikum. Ein tiefsinniges Lächeln überdeckt die ohnehin kaum sichtbaren Falten im Gesicht der 67-jährigen Legende, wenn man sie mit "Hey Joan, you're here and McCain and Obama stay at home, better is..." begrüßt. Sie erinnert nicht daran, dass sie erstmalig für einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Partei ergreift (Vote for Obama). Vielleicht hat sie es auch schon bereut. Joan Baez ist spontan, auch heute noch. Und wenn sie der Meinung ist, den akustischen Part ihres Auftritts in weißer Bluse mit rotem Schal präsentieren zu müssen, dann tut sie das auch - und entledigt sich der wohlenden Jacke während das Publikum in Anbetracht des kühler hereinziehenden Abends die wärmende Wolle überstreift. Joan Baez hat wie immer in den letzten Jahren das volle Programm im Paket, sie erinnert an ihre frühen Stücke, an Woodstock und sie spannt den Bogen bis zur neuen CD mit Steve Earles "God is God". Die Scheibe erscheint im September (Tipp: Wir besprechen die Promo zu "Day After Tomorrow" in der August-Ausgabe unseres Magacine auf www.das-from.de). Nach drei Zugaben und Bettina Wegners "Kleinen Händen" verabschiedet sich Joan Baez in die Katakomben der Jungen Garde. Zurück bleiben die Lerchen auf den Bäumen rund um die Bühne. Sie haben nach 95 Minuten noch nicht genug, sie trällern munter weiter und werden für ihre zweite Stimme mit einem freundlichen Winken der Lady in Red verabschiedet. Für Statistiker: Das Line-up: Joan Baez - voc/git Eric de la Penna - git/lap steel/voc Dean Sharenow - drums/perc/voc Michael Duclos - bass Die Setlist: Farewell Angelina God is God Fennario With God on our side Long black veil Love is just a four letter word Unsere Brüder Band Intro > El Preso Numero Nueve Christmas in Washington Rose Of Sharon Wonderful world Swing Low, Swing Chariot Day After Tomorrow Diamonds and Rust Joe Hill Suzanne sag mir, wo die Blumen sind Gracias a la Vida Imagine sind so kleine Hände
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