ACOUSTICA live am 19.12.2008 in Singwitz



Bericht: Gundolf Zimmermann
Fotos: Gundolf Zimmermann




Mit dem Begriff Kultband bin ich ja eigentlich vorsichtig, aber für die Jugendtanzformation ACOUSTICA aus Erfurt ist dieser Begriff meiner Meinung nach nicht verkehrt. Die Band gibt es schon ziemlich lange, nämlich seit Herbst 1993. Mit ihrer Mischung aus Comedy, Rock und Spontanität begeistern sie seit diesen Tagen das Publikum, landauf und landab sowohl in kleinen Clubs als auch in größeren Sälen oder bei Open Air-Veranstaltungen.Schon nachdem ich die Band am 01. Mai bei ihrem legendären Fahnenappell in Erfurt gesehen hatte, stand für mich fest, dass ich mir dieses Ensemble wieder angucken werde. Seitdem sind ein paar Monate ins Land gegangen und bis gestern schaffte ich es es nicht, wieder bei ACOUSTICA vorbei zuschauen. Irgendwie war das planmäßig nicht unter einen Hut zu bringen.
Nachdem ich unlängst die Termine der Weihnachtstour im Internet gelesen hatte, änderte ich meine persönliche Planung für den gestrigen Tag (City gastierte nämlich gestern in Bautzen), und entschied mich für die Fahrt ins Kesselhaus Singwitz. Als ich ankam war vom Publikum noch nicht viel zusehen, aber es war ja noch eine Stunde Zeit bis zum offiziellen Konzertbeginn. Der Eintrittspreis war mit 9,00 Euro erstaunlich günstig. ACOUSTICA war noch mitten in den vorbereitenden Arbeiten. Der Soundcheck endete gerade. Doch nun wurde die Bühne noch etwas weihnachtlich mit Lichterketten und einem aufblasbaren Weihnachtsmann auf der linken Bühnenseite, sowie einen aufblasbaren Schneemann auf der rechten Bühnenseite geschmückt. Beide Figuren waren fast mannsgroß. Im Anschluss war noch Zeit für ein paar nette Unterhaltungen. Inzwischen zeigte die Uhr kurz vor 21.00 Uhr und es hatten ca. 50 Gäste den Weg ins Kesselhaus gefunden. Um den Gästen die Wartezeit zu verkürzen, wurden sie kurz über die Künstler und Veranstaltungen der nächsten Wochen informiert. Von Tino Eisbrenner am 10.01.09 bis hin zu Dekadance am 14.02.09 dürfte für jeden Musikliebhaber in den nächsten Wochen etwas dabei sein.
Dann enterten ACOUSTICA zu fünft die Bühne. Schon ihr Outfit sorgte für Heiterkeit, denn die Herren traten in langer, weißer Unterwäsche, Cowboyhut und Cowboystiefeln auf. Die diesjährige Weihnachtstour von ACOUSTICA steht ja unter dem Motto "Nüscht gibt's!". Doch es gab für das Publikum jede Menge gute Unterhaltung. Angefangen vom Strauß bunter Melodien der Rock-und Popgeschichte, die von ACOUSTICA gecovert und mit witzigen deutschen Texten versehen wurden, über Kommentare und Ansagen, die wirklich witzig waren, bis hin zur absoluten Spielfreude der Musiker, gab es die nächsten Stunden keinen Schwachpunkt und keine Pause. Ein banaler Text über das Kuchenbacken und die dazu erforderlichen Zutaten wurden zum Beispiel mit Musik von Motörhead verbunden. Musikalisch verarbeiten die Jungs von ACOUSTICA in ihren Shows eigentlich vom Rap bis zum Heavy Metal alles was sie für spielenswert halten. Dabei haben sie keine Angst vor großen Namen. Ob die Lieder ursprünglich von Madonna, Sido oder Herbert Grönemeyer sind, ist eigentlich egal. Denn ACOUSTICA drückt diesen Liedern ihren eigenen Stempel auf, und die witzigen Texte tun ihr Übriges dazu. Sänger King Roman spielt den klassischen Entertainer, wobei er in seinen Ansagen auch schon mal versucht das Publikum mit provokanten Sätzen aus der Reserve zu locken. So ordnet er in einem Satz Bautzen und Singwitz verbal dem Spreewald zu, und im nächsten Satz verlegt er beides kurzerhand an die "Oder-Neiße-Friedensgrenze". Dabei "schießt" er sich auch schon mal "ins eigene Knie", wenn er wenig später erzählt, dass die Band sich auf dem Weg ins Kesselhaus kurz vor dem Ziel noch verfahren hat (was wirklich eine Kunst ist, denn das Haus ist wirklich sehr leicht zu finden). Tja, Sachsen ist für die Thüringer halt doch die große weite Welt ;-)
Was bei ACOUSTICA zeitweise auf der Bühne abgeht kann man wirklich als blanke Anarchie und totales Chaos bezeichnen. Es ist dabei sehr erfrischend zu erleben, wie sich die Herren Musiker über das nächste zu spielende Lied nicht einig werden wollen. Doch mit mexikanisch- oder country-behafteten Melodien bringen sie dann sogar internationales Flair auf die Bühne und tragen dazu auch noch standesgemäß Sombreros. Ich habe bisher nicht gewusst, dass man über das Putzen von Schuhen singen kann, doch ACOUSTICA überzeugte mich gestern vom Gegenteil. Die Band hatte natürlich auch einige ihrer Hits im Gepäck, zum Beispiel das musikalisch an die Ärzte erinnernde "Arschlecken trallala" oder das den ostdeutschen Leuten meines Alters bestens bekannte Pionierlied "Wenn Mutti früh zur Arbeit geht". Natürlich blieb da keine Auge im Publikum trocken. Zum Schluss sangen Publikum und Band dann noch gemeinsam "Wir wollen rodeln gehen". ACOUSTICA war nicht das erste Mal im Kesselhaus und sicher auch nicht das letzte Mal. Bei ihrem ersten Gastspiel an selber Stelle hatte die Band seinerzeit ganze 11 zahlende Zuschauer und gestern amüsierten sich immerhin fast 5 mal so viel Leute. Wenn dieser Trend anhält, ist der Laden nächstes Jahr zur Weihnachtsshow knüppeldicke voll, und das wäre für diese Band mehr als angemessen.




Foto Impressionen: