Bericht:
Andreas Hähle

Fotos:
Patricia Heidrich





DIE GABEN AUS DEM ROCKīN ROLL LAND
Der Heilige Michaelis traf den Heiligen Zöllner auf dem Heiligen Herzberg. Und die Gaben, die sich in dieser denkwürdigen Begegnung zusammenhäuften waren nicht billig. Und der, der sie zusammenklaubte und auf einen strahlenden Punkt zusammenbündelte, war der Heilige Tobias. Den die anderen aus irgendeinem Grund als scheinheilig bezeichneten, doch da irrt die Kunde. Da irrten die Heiligen, was ja nicht schlimm ist und auch mal passieren kann, denn es waren ja nicht die drei Weisen aus dem Morgenland. Nein, es waren eben die drei HIGHligen aus dem Rockīn Roll Land. Was sie selbst, wie sich im Laufe ihrer Erzählungen, welche sie moderat in ihre Preisungen einbrachten, verwechselten und damit sich als nicht sonderlich bibelkundig erwiesen. Oder einfach etwas veränderten. Und weil es so schöner klingt und das großenteils vom sonderlichen Protestantismus zum absonderlichen Atheismus konvertierte deutsche Publikum dies entweder nicht bemerkt oder als nicht wichtig erachtet, können sie sich das leisten. Und mal ganz ehrlich. Sind wir nicht alle der Überzeugung, daß der alte Noah seine Irrfahrt nach der Sintflut vollkommen anders beschrieben hätte als es in der Bibel steht? Und sind wir nicht der Meinung, dass wir über das kleine vergessene Land, in dem wir geborene DDR-Bürger lebten, ganz anders empfanden als in der historisierenden und medialen Darstellung? Geschichte ist immer die, die man selber macht und die man selber erzählt, alles andere ist Hörensagen. Und so eine fühlbare Geschichte konnte man jetzt selber erleben und wer weiß, was einst die Wissenschaftler über dieses passionierte Ereignis bekunden werden. Vertrauen wir dem selbst Erlebten und genießen wir die Gaben aus dem Rockīn Roll Land.


Ein HIGHliger: Dirk Zöllner

Nun gab es bereits zwei Berichte über das Konzertereignis auf diesem sowohl gegenwärtigen als auch historisch wertvollen Portal und nachdem ich diese Berichte noch einmal nach dem Konzert gelesen habe, empfand ich sie so, als hätte man das von mir in Berlin erlebte exakt wiedergegeben. Insofern bitte ich alle, die sich auf diese Wiedergabe eines Ereignisses verirrt haben, diese anderen Berichte erst einmal zu lesen (siehe Verlinkung unten). Was soll man da noch hinzufügen, anders beschreiben, ausführen, erklären? Das Berliner Publikum ist kein anderes Publikum als das sächsische oder in Potsdam, wenn die Gaben die rechten sind und wahrscheinlich auch dann nicht, wenn es die falschen gewesen wären. Das waren sie aber nicht. Doch eins macht es gewiss: die stattgefunden habenden Preisungen folgen einem Ritual, also doch etwas Religiöses, zumindest etwas Liturgisches. Es weicht nur dann wohl voneinander ab, wenn die Situation eine kurze knappe andere ist. Die Ansprachen ans Volk scheinen mir identisch gewesen zu sein, auch war es die Abfolge der Gesänge und war es auch das Verhalten der HIGHligen zueinander und zum staunend immer gläubiger werdenden Gefolge. Denn ihre Gaben waren gut und schön und allüberall wurden sie zu Recht gepriesen.

Was es von anderen Wanderungen dieser des Merkens würdigen Gestalten unterschied, denn es waren viele Jahre schon immer mal wieder derartige Ereignisse und Wunder durchs Land gezogen, war ihre Art der Präsentation. Sie waren einander nicht mehr so fremd, nicht mehr so widerwillig zugewandt, ob sie nun nur so taten oder ob es wirklich an dem war, das weiß nur das große Himmelsauge und der beobachtende Zuschauer. Sie feierten, im Gegensatz zu anderen Besuchen ihres ihnen huldigenden Volkes, ihre Botschaften, ihre Weisenheiten, sich selbst und jeden anderen. So war es ein gutes Fest und noch lange wird in den Breiten dieses Landes davon berichtet werden.

Mehr in Worten denn im Bild. Denn wie soll das große Himmelsauge einst gesagt haben: "Du sollst dir kein Bild von mir machen." Einige Auserwählte, darunter die selige Patti - von der einige glauben, vielleicht zu Recht, dass sie auch einst geheiligt werden wird - konnten jedoch jenes Bild machen, wenn auch nur für die ersten drei Gesänge. Ob sie sich dieser Weisung ergab oder nicht, das kann das kundige Auge nun selbst hier an dieser Stelle besehen.


Zwei HIGHlige (Michaelis & Zöllner)
und ein ScheinHIGHliger (Hillig)

Ich derweil nehme mir die Zeit, eine Geschichte zu erzählen, die eine wahre Begebenheit wiedergibt und vor vielen vielen Jahren sich einst in den Thüringer Landen, dort wo das kleine Städtchen Gera sich wie ein Comma in die Lande krümmt, ereignete.
Meine bescheidene einfache Person wurde dort durch eine Begegnung mit den HIGHligen gesegnet. Mein Name war der gleiche wie heute, doch mein Beruf war der eines Fernsehredakteurs und -moderators für einen Sender, der kurz ins anliegende Land strahlte, namens TV Ost-Thüringen. Und in diesem Berufe hatte ich die großartige Ehre, die 3 HIGHligen vor gefühlten über 100 Jahren zu befragen über ihr Begehr, ihre Botschaft und ihren Weg. Was mir auch gelang. Was ich feststellte war, dass da die drei noch gar nicht so heilig waren wie sie heute sind, und dass keiner von ihnen den Gesängen und der Botschaft der anderen traute, vertraute und erst recht nicht glaubte. Sie schauten sich nicht in die Augen, sie schauten sich nicht ins Herz, sie schauten und trauten sich nicht über den Weg. Es war eine andere Zeit und heute scheint es mir gar, als wären es andere Menschen gewesen. Und mitten im Gespräch mit diesen drei Verehrten, welches meine Jünger, auch Azubis genannt, zu einem HIGH-Light der Interviewgeschichte gestalten wollten mit riesigem technischen Aufwand, knallte die Sicherung durch. Ich hätte das wohl bei einem der drei zu Befragenden erwartet, so fühlte sich die Atmosphäre an, doch nein, das überdimensionierte Licht fraß mehr Strom als ein Konzerthaus abzugeben vermochte. Das Interview war am Ende dennoch gelungen, das Konzert war es damals nicht. Und heute ist alles das Gegenteil. Meine Technik besteht in einem kleinen Schmierheft und einem Kugelschreiber und ich habe - aus meiner Sicht - das beste Konzert dieses Dreigestirns und ihres großen Gehilfen Tobias Hillig gesehen. Und ich war glücklich. Und ich glaube, alle anderen, welche Zeugen wurden dieses großen Gabenverteilens waren es auch.

"Wir sind nur Verkäufer" stimmten sie uns in ihren den Abend über wundervoll bleibenden Satzgesang ein und der scheinHIGHlige Tobias zeigte uns sofort, wo beim Heiligenschein die Gitarrensaiten hängen. Sie nahmen uns mit auf die "Reise", teilten sich die Bürde des Weges brüderlich und einander zugewandt wie auch die Solopfade. Und ihre Stimmen schlichen sich wohltuend über unsere Köpfe hinweg, in uns hinein und so wurden wir Teil ihrer Botschaft. Gleitend verspielt der scheinHIGHlige Tobias und der Heilige Herzberg, dieser am Piano. Langsames Gleiten. "Auf der Reise".

Drei Gitarren (Hillig, Zöllner, Michaelis) und eine Mundharmonika (Herzberg), ein Blues. "Du hastīn Mann" und der Tobias hilligt den Satzgesang.
"Gut Aus". Nicht: Gut. Aus. "Gut Aus". So wollten die drei HIGHligen von ihren sie Bezeugenden im Publikum gehuldigt werden. Und so ist es geschehen. Rhythmisches Klatschen der gläubigen Gemeinde. Der Heilige Michaelis am Cajon. Der Gesang als Parodie seiner eigenen Botschaft. Witzig, pointiert, feurig. Und der Hillige Tobias sah auch nicht schlecht aus.


...und noch ein HIGHliger: André Herzberg

Dirk Michaelis am Piano, André Herzberg an der Gitarre. "Stilles Dorf". "Manchmal kommt man nach Hause und fühlt sich fremd wie in einem stillen Dorf." Meinte - etwas verkürzt wiedergegeben von mir, so entstehen heilige Bücher - Dirk Michaelis zuvor. Ein sehr schöner Gesang und wunderschön auch an diesem Abend. Und der Herzberg sang uns den Choral dazu, ganz alleine.

"Vorwärts Marsch". Und ein heftiger Gitarrenrock preschte heran. "Nach vorn".

Der aufgelesene Zöllner kündigte einen Shanty an, ein Lied übers Meer. "Nie mehr". Der Heilsame Michaelis sollte dazu das Nebelhorn künden. Was jedoch nur eine Illusion sein sollte, eine kleine Zauberei, die nur dann sich als Verheißung erfüllen konnte in der nicht vorhandenen Atmosphäre des Kreuzberger Strandes, wenn Wellenrauschen und Möwengesang erklängen. Und das Wunder geschah. Es erklang aus den vielen Stimmen der mittlerweile wohl schon ganz bekehrten Gemeinde. Doch ein Nebelhorn wurde es nicht, eher etwas, was der ungläubig staunende Hähle als Ethno-Horn bezeichnen würde. Macht nichts, die besten Geschichten und Klänge entstehen im Kopf. Denn dass das Nebelhorn kein Nebelhorn war, hinderte den belesenen Zöllner nicht daran, sehr schön zu leiden, während der gehörnte Michaelis sich scheinbar köstlich amüsierte.

Der große Herzberg kündigte vom Piano her einen Landschaftswechsel an. Schwerfällig schwermütig und zutiefst ironisiert erzählte er uns die Weise von der "Kiefer im Märkischen Land". Heinz Rudolf Kunze sagte einmal zu dieser Landschaft: "Die einzige Mark, die wir noch haben, ist die Mark Brandenburg und die ist auch nichts mehr wert." Diese Botschaft aus den Herzensbergen brachte dem Kündenden in der Gemeine der Pankowianer einst den Beinamen "Der Traurige" ein. Ein herrlicher Gesang und herrlich dargeboten. Und es klagt uns die hillige Gitarre ihr Lied dorthinein, richtig richtig. Gut.

Die ebenfalls wunderschöne Weise von den Seelenverwandten aus dem großen Klangbuch Michaelis über "Glaube Liebe Hoffnung" wurde uns gepredigt. Wohl ist dieses Klangbuch, aus dem jene Weise entsprang, noch sehr lange unübertroffen, doch es ist noch Hoffnung auf solches, wenn die Liebe noch ist. Ganz zerbrechlich gesungen und gespielt. Fast bedrohlich - wie ein düsteres Menetekel darüber und darunter - der Keyboard-Teppich, auf dem sie schritten, die HIGHligen.


HIGHliges Klang-Material auf Compact Disc

Das Ende der Pause, denn man sollte ja speisen und den Leib laben, läutete Tobias Hillig mit seiner Gitarre ein, hinüberleitend in die große Gestenbitte an die Gemeinde "Lieb mich", aggressiv, bestimmt, jetzt wurde es messiastisch. Denn - so wurde nun versichert und verkündet und zu solchen Botschaften sind nur die Auserwählten bestimmt: "Ich bin für dich da".

Thomas Masers "Ich bin wie Sand", einfach gehalten, schlicht und so die Größe dieser Weise in seiner ganzen Klarheit zeigend. Ein Gebet. "Ich liege hier bei dir" eine Verheißung. Beides ganz ganz stark gesungen. Und so vergaßen wir die Welt bei einem zutiefst einfühlsamen Dirk Michaelis. Und der dafür groß Gefeierte setzt sich ans Piano und die Welt stürzt ein. Der apokalyptische Reiter André Herzberg weist uns auf das Gleichnis von "Babel" hin und darauf, dass die Welt in Flammen steht. Und immer noch ritten die Gitarren, galoppierend, kräftig weiter. "Vor dem letzten Knall" muß es, wenn alles gut geht wenn alles schlecht wird, noch einmal richtig gut kommen. So ging es auch weiter mit "Keiner wird dich lieben". Und zu Recht trugen die drei HIGHligen an diesem Abend ihren "Heiligenschein". Wobei der Hillige Tobias einen solchen auch mehr als verdient hätte.

Was danach geschah, ist wohl die gleiche Art Ergriffenheit nach derart großartigen Botschaften wie in dem oben bereits erwähntem Bericht. Es scheint wohl gleich zu sein bei allen Völkern dieses Landes, in allen Herzen großer Musik und ebensolchen Sängern zugewandter Menschen.

Und so war es hier und so war es da. Und so war es wohl auch an allen anderen Orten. Und so wird es wieder sein. Bis wir uns zur Ruhe betten und sagen können: Ich hatte eine Vision. Ich habe etwas HIGHliges erlebt und von diesem Moment an habe ich daran geglaubt.





Weitere Konzertberichte:
Die 3 HIGHligen beim Tourstart in Potsdam am 5. Januar 2012: HIER klicken
Die 3 HIGHligen in "Michaelis" Kirche zu Leipzig am 20. Januar 2012: HIER klicken


Bitte beachtet auch:
- Homepage von André Herzberg: www.andreherzberg.de
- Homepage von Dirk Zöllner: www.dirk-zoellner.de
- Homepage von Dirk Michaelis: www.dirk-michaelis.de
- Homepage der Agentur MB KONZERTE: www.mb-konzerte.de




Live-Impressionen: